Lesungsreihe: Die Unzufriedenen – Literatur des Protests aus Südosteuropa

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Zur Veranstaltungsreihe laden ein: das Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin und die Südosteuropa-Gesellschaft, in Kooperation mit novinki und dem Osteuropamagazin ostpol.
Alle Interessierten sind herzlich willkommen.
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Mit: Edo Popović | Alek Popov | Andrej Nikolaidis | Saša Ilić

Nicht wenige Länder Südosteuropas haben zur Zeit offene Rechnungen mit ihrer Vergangenheit und ihrer (kultur-)politischen und wirtschaftlichen Gegenwart zu begleichen. Institutionelle Arenen scheinen dafür oft nicht auszureichen. Was tun, wenn die eigene Gesellschaft nicht reif für den Umgang mit der „Wahrheit“ ist (Andrej Nikolaidis, Saša Ilić)? Wie lässt sich gegen kapitalistische Vereinnahmung protestieren, wenn sie politisch als Erlösung vom Kommunismus gefeiert wird (Edo Popović)? Überhaupt, welchen Reim kann man sich auf die eigene glorreiche sozialistische Vergangenheit nun eigentlich machen (Alek Popov)? Im Schnittpunkt solcher Fragen kristallisiert sich gegenwärtig einmal wieder eine Literatur, die weder leise noch unpolitisch ist.

Die Lesungsreihe lässt vier Schriftsteller aus Kroatien, Bulgarien, Serbien und Montenegro zu Wort kommen, die ihre Unzufriedenheit lautstark kundtun. Sie thematisieren die gesellschaftlichen Probleme und politischen Unzulänglichkeiten ihrer südosteuropäischen Heimatländer und protestieren gegen das Unvermögen, sich diesen Problemen zu stellen. Vehement konfrontieren sie ihre Leserschaft mit ihrem Nicht-Einverstanden-Sein. Kein Zufall ist: Alle vier Romane des Protests, die in der Reihe vorgestellt werden, wählen das Genre des Krimis oder Politthrillers.

Die Lesungen finden jeweils dienstags um 18 Uhr statt,
im Institut für Slawistik, Dorotheenstraße 65, Berlin-Mitte, 5. OG, Raum 5.57.

Alle Lesungen sind zweisprachig – Deutsch und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch bzw. Bulgarisch.


11. November 2014
Edo Popović: Lomljenje vjetra |
Der Aufstand der Ungenießbaren

Moderation: Katharina Tyran, Miranda Jakiša

edo-popovic_der-aufstand-der-ungeniessbaren_coverEdo Popović, bekannt dafür, ein kritisches Auge auf Kroatien zu werfen, hat mit seinem Roman „Der Aufstand der Ungenießbaren“ (2012, Luchterhand) einen inhaltlich radikalen Roman vorgelegt. Er verbindet darin seine Kritik an einem aufs Wirtschaftliche reduzierten Europa mit ökoradikalen, globalisierungskritischen Argumenten. In seiner negativen Utopie ist Kroatien zur Holding umorganisiert worden, in der die HUKEIVERBRES (Akronym für Helden und keine Verbrecher) ihr korruptes Unwesen treiben. Aktivisten entführen als Gegenmaßnahme Banker und exekutieren sie außerhalb der neu errichteten Stadtmauern, nicht ohne sie zuvor auf Diät zu setzen: mit „gegrillten Kredit-karten und Salat aus Blättern der Financial Times“.

Hier können Sie sich die Einzelankündigung der Lesung mit Popović als pdf herunterladen.
Eine Leseprobe aus dem Roman „Der Aufstand der Ungenießbaren“ finden Sie auf der Website von ostpol.


2. Dezember 2014
Alek Popov: Сестри Палавееви в бурята на историята | Schneeweißchen und Partisanenrot

Moderation: Henrike Schmidt, Miranda Jakiša

popov_praesi.inddAlek Popov parodiert in „Schneeweißchen und Partisanenrot“, dem „ersten Partisanenroman nach dem Ende des Kommunismus“ (2014, Residenz Verlag) den Mythos der bulgarischen Partisanenvergangenheit und bringt damit die unverdauten Seiten der postkommunistischen Gesellschaften Südosteuropas kritisch und doch ambivalent auf den Tisch. Die satirische, mit Slapstick gespickte „popkulturelle Partisanen-Pastiche“ (Henrike Schmidt) über die widerständigen Zwillingsschwestern Kara und Jara, die am Ende auf unterschiedlichen Seiten des Kalten Krieges landen, nimmt nicht nur die sozialistische Vergangenheit aufs Korn, sondern seziert auch den bulgarischen Umgang mit dieser Vergangenheit heute.

Hier geht es zum Download der Einzelankündigung der Lesung mit Popov.
Auf novinki.de finden Sie eine Rezension zu „Schneeweißchen und Partisanenrot“ von Henrike Schmidt, auf ostpol.de eine Leseprobe aus dem Roman.


13. Januar 2015
Andrej Nikolaidis: Dolazak | Die Ankunft

Moderation: Tamina Kutscher, Miranda Jakiša

Andrej-Nikolaidis_Die-Ankunft_coverAndrej Nikolaidis, Kriegsreporter und Kulturkritiker, der journalistisch nie ein Blatt vor dem Mund genommen hat, weiß korrupte Politik, ausgesparte Kriegsverarbeitung und die Weigerung, „Wahrheiten“ ins Gesicht zu sehen, auch literarisch aufzugreifen. Sein Roman „Die Ankunft“ (2014, Voland & Quist) verbindet die post-jugoslawische Gesellschaft Montenegros mit apokalyptischen Szenarien der Klimakatastrophe und des Wirtschaftskollapses.
Wir sprechen mit Andrej Nikolaidis über seinen Kriminalroman, über Montenegro und über seine Einschätzung der gegenwärtigen Lage im postjugoslawischen Raum.

Am 26.1.2015 setzen wir das Gespräch mit dem Wissenschaftler und Aktivisten Damir Arsenijević fort, der den druckfrischen Band „Unbribable Bosnia and Herzegovina. The Fight for the Commons“ vorstellen wird.

Hier finden Sie die Einzelankündigung der Lesung als pdf.
Eine Leseprobe aus dem Roman sowie ein Interview mit Andrej Nikolaidis wurden auf ostpol.de veröffentlicht.


10. Februar 2015
Saša Ilić: Pad Kolumbije | Der Absturz der Columbia
+ eine Kostprobe aus seiner brandneuen Arbeit:
Zašto Buda spava | Warum Buddha schläft

Moderation: Angela Richter, Miranda Jakiša

sasa-ilic_pad-kolumbije_coverSaša Ilićs bisher unübersetzter Roman „Pad Kolumbije“ (2010, Fabrika Knjiga) nimmt sich das vielleicht brisanteste Thema der jüngeren serbischen Vergangenheit vor: die Ermordung Zoran Đinđićs. Allein mit seinem David-Bowie-Zitat „Space Oddity“ trifft Ilić schon ins Schwarze, mitten in die ‚Merkwürdigkeit’ des politischen, gesellschaftlichen und historischen Geschehens, das sich in einer eigenen Galaxie abzuspielen scheint. Aus ihrem All stürzt Đinđić wie zeitgleich die Raumfähre Columbia. Ilić liest aus diesem mutigen und inspirierten Politthriller, sowie aus seiner neuesten Erzählsammlung „Warum Buddha schläft“.

Hier können Sie sich die Einzelankündigung der Lesung mit Ilić als pdf herunterladen.


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Hier finden Sie den Flyer zur Veranstaltungsreihe mit allen Terminen im Überblick.

 

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Eine Antwort to “Lesungsreihe: Die Unzufriedenen – Literatur des Protests aus Südosteuropa”

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