Posts Tagged ‘Osteuropa’

Veranstaltungshinweis: Constructing Eastern Europe – The Ukrainian Donbas am 16.03.2016

März 14, 2016

Hier die Ankündigung und Einladung der Veranstalter_innen:

The Ukrainian Donbas – The War and its Aftermath
am 16. März 2016 um 18:00 Uhr
im Forum Transregionale Studien, Wallotstraße 14, 14193 Berlin.

BBUI Lecture Series 2016Seit fast zwei Jahren befindet sich der Donbas im Osten der Ukraine im Kriegszustand. Die Journalistin Nataliya Gumenyuk berichtet über die Kriegshandlungen und gibt eine Einschätzung der Folgen dieses Krieges für die Region und seine Bevölkerung sowie für die Zukunft des ukrainischen Staates.

Nataliya Gumenyuk ist freie Journalistin mit einem besonderen Fokus auf außenpolitische Themen und die Berichterstattung aus Konfliktgebieten. Sie berichtete u.a. ausführlich über die Entwicklungen in der arabischen Welt nach dem Arabischen Frühling und über die Protestbewegung auf dem Majdan sowie die politischen und militärischen Entwicklungen auf der Krim und im Donbas. Im Jahr 2015 veröffentlichte sie das Buch „Maidan Tahrir. In Search of a Lost Revolution“, in dem sie beide Revolutionen vergleicht und soziale sowie globale Zusammenhänge untersucht. Nataliya Gumenyuk ist Gastwissenschaftlerin der Berlin-Brandenburg Ukraine Initiative des Forums Transregionale Studien.

Das Gespräch moderiert Volker Weichsel, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e. V. / Zeitschrift OSTEUROPA. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

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Hinweis auf die internationale Konferenz „After Memory“, 06.-08.11.2015 in Berlin

Oktober 30, 2015

Im Rahmen des ZfL-Projektes „Ost-westliche Affektkulturen“ findet vom 6. bis 8. November 2015 im Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin eine internationale Konferenz statt, die der sich verändernden Rolle der osteuropäischen Literaturen bei der Gestaltung der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg nachgeht:

After Memory. Conflicting Claims to World War Two in Contemporary Eastern European Literatures.

Organisiert wird die Konferenz von Matthias Schwartz (ZfL, Berlin), Nina Weller (GS-OSES, München) und Heike Winkel (Peter Szondi-Institut, Berlin).

Veranstaltungsort: ZfL, Schützenstraße 18, 10117 Berlin, 3. Etage

Hier die Ankündigung der Veranstalter_innen:

morfina.JPG-f5851a1bThe conference enquires into the fundamental shifts in the literary representations of World War II which have taken place in East-European literatures in the last decades. 70 years after the end of the war, the breakdown of state socialism in its specific instantiations and the vanishing of the generation of witnesses are causing massive changes in modes of remembrance. In Eastern Europe today, cultural memory is both post-socialist and post-memorial. This coincides with increased pluralisation and diversity in the region. Conflicting claims to an authoritative representation of World War II dispute the former hegemonic narratives of remembrance. At the same time literature has gradually lost its role as a key genre of collective and individual memory, as other, mostly visual media, have become more important—and not just in Eastern Europe.

The conference takes these observations as a starting point to explore literature’s changing role in shaping the memory of World War II in a comparative perspective. The conference panels discuss fictional representations of formerly marginalized or forgotten histories, constructions of traumatic, heroic or transnational histories as well as poetic devices, narrative strategies and affective models which form our understanding of the past.

Programm: (more…)

Schreiben in ruhigen oder stürmischen Gewässern?

Februar 27, 2013

Bereits zum neunten Mal fand im Literaturhaus Zürich Anfang Februar der Kritikerworkshop statt. Zwei Tage lang sprachen Literaturkritikerinnen und –kritiker aus der Schweiz, Kroatien, Ungarn, der Ukraine und Russland über Bücher aus Südosteuropa und der Schweiz. Ein Bericht über zwei kalte Februartage voller angeregter Diskussionen.

LiteraturhausZH-KWS Runde

Schon bei der Begrüssung im Vorraum des Literaturhauses Zürich wird klar – es wird ein intimer Anlass, man kennt sich. Fast alle begrüssen sich mit „Du“ und drücken sich vertraulich die Hände. Draussen bläst eine kalte Bise über die Limmat hinweg, und nachdem sich alle aus ihren Mänteln geschält haben, Mützen und Handschuhe verstaut sind, füllt sich langsam der Vorraum. Hier drinnen ist es angenehm warm.

Etwa 17 Köpfe haben sich versammelt, um zwei Tage lang in einem dicht gedrängten  Programm acht Bücher aus Südosteuropa und der Schweiz zu besprechen. Kritikerworkshop heisst das Gefäss, das schon zum neunten Mal im ‚Salon’ des Literaturhauses Zürich stattfindet. Die Idee, dass „renommierte Fachleute aus Mittel- und Osteuropa“ gemeinsam mit „hiesigen Kolleginnen und Kollegen“ über Neuerscheinungen aus ihren Ländern diskutieren, kommt von der Pro Helvetia. Von ihr kommt auch das Geld. Es geht um einen Austausch, ein gegenseitiges Kennenlernen der Literatur und Literaturbetriebe. Und auch darum, gegenseitig die Literatur der anderen Länder bekannt zu machen, allenfalls Übersetzungen zu bewirken.

Wer aus dem ‚Osten’ angereist und wer ‚hiesig’ ist, ist nicht sofort zu merken, alle sprechen einwandfrei Deutsch. Auf Deutsch werden auch alle Bücher gelesen. Die Bücher von ‚dort’ sind „Der Symmetrielehrer“ von Andrej Bitow, Zoran Ferićs Roman „Das Alter kam am 23. Mai gegen 11 Uhr“, Zsófia Báns „Abendschule“ (eine Fibel für Erwachsene) und die beiden Lyrikbände „Unsichtbare Hand“ von Adam Zagajewski und Eugeniusz Tkaczyszyn-Dyckis „Geschichte polnischer Familien“. Die Bücher von ‚hier’ sind Ursula Frickers „Ausser sich“, Ralph Dutlis Kulturgeschichte der Biene „Lied vom Honig“ und das Jugendbuch „Pampa Blues“ von Rolf Lappert.

Obwohl eine Tür direkt in den Saal führt, benutzen die nun im Vorraum Versammelten eine Seitentür, durch die man über Umwege auf Zehenspitzen und flüsternd durch die Bibliothek des Literaturhauses in den ‚Salon’ gelangt. Als sich alle an die zu einem Quadrat geformten Tischreihen gesetzt haben, Gläser und Namensschilder verteilt sind, ein paar Köpfe sich zugenickt oder zugezwinkert haben, scheint die Aufmerksamkeit im Raum bereits so konzentriert, als sei man mitten in der Diskussion. Obwohl noch niemand spricht. (more…)

Osteuropäische Kulturstudien an der Universität Potsdam

Februar 14, 2013

Zum Sommersemester 2013 startet ein neuer forschungsorientierter und interdisziplinärer Masterstudiengang Osteuropäische Kulturstudien, der in Kooperation zwischen dem Institut für Slavistik und dem Institut für Jüdische Studien der Universität Potsdam sowie dem Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin angeboten wird. Bewerbung ist zum Sommer- und Wintersemester möglich.

Weitere Informationen zu den Voraussetzungen und Studieninhalten finden Sie im Internet unter:

uni-potsdam.de/studium/studienangebot/masterstudium/master-a-z/osteuropaeische-kulturstudien-master.html

studieren.de/studienprofil.0.osteuropaeische-kulturstudien-ma-universitaet-potsdam.37037.452.html

Gibt es eine osteuropäische Literatur?

September 3, 2011

Der Suhrkampverlag hat durch die Lektorin Katharina Raabe eine spannende Debatte auf den Weg gebracht: Gibt es eine osteuropäische Literatur? Autoren aus Osteuropa aber auch aus Deutschland werden sich in den nächsten Wochen dazu schriftlich äußern. Auf der eigens dazu eingerichteten Sonderseite des Verlags finden sich bisher Beiträge von Jurij Andruchovyč, György Dragomán, Oleg Jur’ev und Eugenijus Ališanka.

György Dragomán : »Nein, es gibt keine osteuropäische Literatur, es gibt nur Schriftsteller, einfach nur Schriftsteller und Geschichten. …Ich weiß auch nicht, ob es Osteuropa überhaupt gibt.«

Eugenijus Ališanka: »Jawohl, ich bin wahrscheinlich Osteuropäer: Die Unbestimmtheit dieser Region, ihre eigenartige Unselbständigkeit, ihre geopolitische und existenzielle Unwirklichkeit sind mir nahe, sie entsprechen meiner Befindlichkeit als Schriftsteller.«

Oleg Jur’ev: »Die Frage nach der Existenz einer westeuropäischen Literatur wird, soviel ich weiß, kaum je gestellt: Wahrscheinlich, weil sie beinahe absurd und auch unnütz anmutet. …
Ich bin ein russischer Autor, also, wie erwähnt, keinesfalls ein »Osteuropäer« – ich bin noch schlimmer!«

Es verspricht spannend zu werden…

Tatort Osteuropa

Mai 4, 2011

Friedrich Wilhelm Murnau lässt 1922 den deutschen Jonathan-Harker-Verschnitt Hutter in seinem legendären Stummfilm Nosferatu zu Graf Orlok ins „Land der Gespenster“ und Diebe reisen. Im Zentrum dieser Umschreibung liegt das bereits bei Stoker zum Osteuropa-Konzentrat gerinnende Transsylvanien, das der blutsaugende Orlok in kolonisatorischer Absicht dann auch per Schiff vom bulgarischen Varna auf der anderen Seite der Karpaten aus in Richtung Deutschland verlässt. Stokers Witwe gelang es wegen Verletzung des Copyrights, den bösen Osteuropäer aus den europäischen Kinos der 1920er wieder zu verbannen. Alle Kopien von Nosferatu wurden, zum Leidwesen seiner späteren Restauratoren, aus dem Verkehr gezogen.

Leider wird eine juristisch so saubere Elimination des letzten Münsteraner Tatorts auf Basis politischer Korrektheiten kaum zu bewerkstelligen sein. Verdient hätte er es! Die Rekordzuschauerquote (die höchste der letzten 15 Jahre!) wurde diesen Fernseh-Sonntag noch getoppt von ebenso rekordverdächtiger Osteuropaverachtung, die im Tatort „Herrenabend“  – gänzlich ironiefrei – zelebriert wurde.

Der Geld in fingierte Osteuropageschäfte verschiebende Kartoffelmagnat skandiert vor knapp 12 Millionen Fernseh-Zuschauern, dass uns doch allen – mal ehrlich –  Bulgarien scheißegal sei, während Vater Thiel – mit dem Auto in Trans-Schengen unterwegs  – per Webcam unfassbare Osteuropa-Kulissen auf den Monitor des Sohnes (Kommissar in Münster) sendet und um Überweisung von Bestechungsgeldern bittet. Die ersten bakšiš-Forderer sind (der Phantasie des Provinz-Drehbuchautors Vattrodt entsprungene) Zollbeamte des EU- und OECD-Mitgliedstaates Slowenien, bevor Thiel senior (wohl in Ermangelung eines Navigationsgerätes, denn seine Route zeugt von geographischer Osteuropa-Unkenntnis) über Moldawien (selbstverständlich nicht ohne Gängelung durch einen ebenfalls korrupten Zoll) zuletzt in Bulgarien ankommt. Hier findet er statt der Firma, in die deutsche Investitionen angeblich fließen, einen leeren Acker dekoriert mit obligatorisch-osteuropäischem „Alter-Mann-auf-Pferdewagen“.

Dieser, entweder mitsamt fahrbarem Untersatz vom ARD-Team nach Bulgarien eingeflogen oder gleich in Baden-Württenberg auf dem Feld rekrutiert, zeugt neben vielen anderen Details von den erzählerischen Defiziten und der exzessiven Stereotypausbeute des Karlsruher Drehbuchschreibers. So deklassieren etwa die an ausstatterische Debilität grenzende Klischeehaftigkeit des Teenagerzimmers, die gänzlich naive Überschätzung pathologischer Kompetenzen  (Schädelrekonstruktionen gehören nicht gerade zu spontan ausbaubaren Bastelbegabungen auch habilitierter Rechtsmediziner!) oder die schwachsinnige Konzeption und Rolle der Figur der Steuerprüferin den ARD Tatort  als Institution irreparabel (Wo war eigentlich der Regisseur???).

Im Kopfkino des Magnus Vattrodt, der geflissentlich vermeintliche Publikumserwartungen bedient, hat Murnaus Land der blutsaugenden und pestbringenden Gespenster (alias Geisterunternehmen in Osteuropa) als Negativfolie deutscher Rechtschaffenheit offenbar längst nicht ausgedient. Eine Entschuldigung an die slowenische Botschaft und die ARD-Zuschauer für diese „Symphonie des Grauens“ steht meines Wissens aus.