Gastvortrag: Irina Schulzki: Kira Muratovas Kino der Geste: „Kurze Begegnungen“ und „Lange Abschiede“

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Korotkie vstreci Poster

Das  Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin lädt ein zu einem Vortrag von

Irina Schulzki (LMU München): Kira Muratovas Kino der Geste: „Kurze Begegnungen“ (1967) und „Lange Abschiede“ (1971)

im Rahmen des Seminars: Neue Wellen im osteuropäischen Kino der Nachkriegszeit (Natascha Drubek)

Zeit: Donnerstag, 18. Dezember 2014, 18.15 Uhr

Ort: Institut für Theaterwissenschaft, Seminar für Filmwissenschaft, Grunewaldstr. 35, Seminarraum I

Der Vortrag befasst sich mit zwei frühen Filmen von Kira Muratova, denen unter anderem die Nachahmung der westlichen nouvelle vague von den damaligen sowjetischen Kritikern vorgeworfen wurde. Muratovas eigenartige Filmsprache, die den kodifizierten sozrealistischen Konventionen zuwiderlief und die sich in ihrem über fünfzig Jahre umfassenden Filmwerk immer radikaler wurde, ist bekannt für komplizierte narrative Zeit- und Raumordnungen, experimentale Montage- und Tontechniken, verzerrte Körperbewegungen und manierierte Darstellungsstils, sprachliche Klischees und Stereotypien, Verdoppelungen der Figuren und Wiederholungen jeglicher Art. Im Vortrag werden sowohl die sich herausbildenden Merkmale Muratovas Filmästhetik in den ersten Filmen, Kurze Begegnungen (Korotkie vstreči) und Lange Abschiede (Dolgie provody), erörtert, als auch der Frage nachgegangen, ob diese Filme Muratovas in einen breiteren filmhistorischen und -ästhetischen Kontext eingeordnet werden können. Inwiefern zeigt Muratovas Filmästhetik thematische und filmtechnische Verwandtschaft zum damaligen ost- und westeuropäischen Autorenkino? Diese Fragestellung wird im Vortrag in Bezug auf die Studie zum Kino von Gilles Deleuze diskutiert. Die Filmästhetik der Nachkriegszeit wird laut Deleuze durch die Übergangsphase zwischen zwei Regimes der Bilder, Bewegungs- und Zeit-Bild, bedingt. Dabei finden mehrere Prozesse statt, die eine „Krise der Aktion“ im Film kennzeichnen. Einer davon ist das „Kino der Körper“, in welchem Deleuze Verhaltensweisen und Stellungen des Körpers zum Hauptmerkmal hervorhebt. Bemerkenswert ist, dass Deleuze in seiner Vorstellung des Kinos der Körper zum Brecht’schen Begriff des Gestus greift. Diese ästhetischen Begriffe Deleuzes dienen als Anlässe, um über Raum- und Zeitorganisation, Körperlichkeit und Sprache in Muratovas Filmen nachzudenken mit dem Endziel, das Konzept eines Kinos der Geste zu formulieren.

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