Archive for April 2014

Vortragsreihe «Gedächtniskriege und kulturelle Zugehörigkeiten: Schauplatz Ukraine»

April 27, 2014

Das Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin lädt herzlich ein zur  Vortragsreihe

«Gedächtniskriege und kulturelle Zugehörigkeiten: Schauplatz Ukraine»

— im Rahmen der Reihe „WISSenschaftLITeratur“

 Start: am Mittwoch, dem 30. April 2014,
18 Uhr im Raum 5.57 (Dorotheenstraße 65)

mit dem Vortrag von

Andrij Portnov
„Crimea between history and propaganda“

WissLit 2014

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Sprachverwirrung по-українськи

April 27, 2014

Dass die babylonische Sprachverwirrung kein ausschließlich biblisches Phänomen ist, sondern ukrainischer Alltag, ist an sich keine Neuigkeit. Wie schwierig sich jedoch allein das Bekenntnis zu, der Umgang mit und das Verhältnis von Ukrainisch und Russisch gestaltet – von der russisch-ukrainischen Mischsprache Suržyk sowie den zahlreichen anderen Regional- und Minderheitensprachen einmal ganz zu schweigen –, davon konnte sich das Publikum im Literaturhaus Berlin am vergangenen Dienstag einmal mehr überzeugen. Volodymyr Kulyk, habil. Politikwissenschaftler und Senior Researcher am Institut für politische und ethnische Studien der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine (Kiev) ist ausgewiesener Experte für die Sprachenpolitik in der Ukraine. Sein Vortrag Sprache und Nation machte die anscheinend unüberwindbare Dauerkrise in der Sprachenfrage mit ihren heiklen politischen Implikationen sehr deutlich, klaffen doch Sprachpraxis und Sprachidentität in der Ukraine weit auseinander oder anders gewendet: Der Sprachgebrauch hat prinzipiell nichts mit der ethnischen Zugehörigkeit zu tun; diese ist vielmehr das Produkt historischer und lokaler Prägungen. Für die Rechtsstellung einer Sprache ist jedoch die Sprachidentität wichtiger als ihr Gebrauch im Alltag.

Gabriele Freitag, Geschäftsführerin DGO

Gabriele Freitag, Geschäftsführerin DGO (links), Volodymyr Kulyk, Institut für politische und ethnische Studien der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Kiev (rechts) © Jurkiewicz/DGO

Zwei-/Mehrsprachigkeit: Problem oder Chance?

Das Problem der Mehrsprachigkeit – und dabei geht es vor allem um Ukrainisch und Russisch, denn die siebzehn anderen in der Ukraine gesprochenen Sprachen stellen in dieser Diskussion eher eine Marginalie dar – wird bereits am Status der Sprache (Muttersprache, Sprachgebrauch und Sprachpräferenz) recht deutlich, was hier anhand von nur einigen Zahlen gezeigt werden soll. Nach einer aktuellen Umfrage des KMIS (Kiever Internationales Institut für Soziologie), auf die sich Volodymyr Kulyk in seinem Vortrag bezog, bekennen sich 68% der Befragten zu Ukrainisch, 30% zu Russisch und 2% zu anderen Sprachen als Muttersprache. Aber Muttersprache und ethnische Identität fallen nicht unbedingt in eins, d.h. auch ethnische Ukrainer betrachten durchaus Russisch als ihre Muttersprache. Der private Sprachgebrauch ist – wie eingangs bereits erwähnt – davon unbenommen, denn 43% der Befragten geben an, Ukrainisch, 35% Russisch und 21% sogar beide Sprachen zu sprechen; die übrigen Sprachen kommen hier nur noch auf 1%. Und hinsichtlich der Sprachpräferenz hat Russisch mit 57% – gegenüber 43% für Ukrainisch – sogar die Nase vorn. Doch die Gründe für den jeweiligen Sprachgebrauch sind ebenso vielfältig, wie die potenziellen Kommunikationspartner und -situationen. (more…)

filmPOLSKA vom 23.-30. April 2014 in Berlin und Potsdam

April 22, 2014

Als Erinnerung oder neue Info: Morgen beginnt in Berlin das polnische Filmfestival filmPOLSKA.

filmPOLSKA_2014[Klicken Sie auf das Bild, um zur Festival-Homepage zu gelangen]

Der Euromaidan – Agora oder Kibbuz?

April 22, 2014

Am 15. April 2014 fand die erste Veranstaltung im Rahmen der Vortrags- und Diskussionsreihe Die Ukraine. Europäische Reflexionen der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO) statt. Über den Maidan als Agora diskutierten Kateryna Mishchenko, Autorin und Herausgeberin der Literaturzeitschrift Prostory in Kiev, und Manfred Sapper, Chefredakteur der Zeitschrift Osteuropa. Mustafa Nayyem, Journalist, Aktivist und Mitinitiator des Euromaidan hatte aufgrund der neuesten Entwicklung in der Ostukraine kurzfristig abgesagt.

Kateryna Mishchenko und Manfred Sapper auf dem Podium

Kateryna Mishchenko und Manfred Sapper © Jurkiewicz/DGO

In seinen Grußworten an das Publikum zitierte der Leiter des Literaturhauses, Ernest Wichner, aus einem zeitgleich in der FAZ erschienenen Artikel von Swetlana Alexijewitsch, Wer nicht jubelt, ist ein Volksfeind. Darin beklagt die Autorin nicht nur den Verlust vieler ihrer russischen Freunde durch die polarisierende Kraft Putins als neuem Heilsbringer, sondern auch die Rückkehr des längst tot geglaubten homo sovieticus: „Morgens schaltet man den Computer an und liest immer das Gleiche: Die Russen kommen, die Russen haben sich erhoben. […] Die roten Fahnen sind wieder da, der ‚rote‘ Mensch ist wieder da. Alles erweist sich als quicklebendig. […] Wohin treibt Russland? Statt Reformen wählen wir den Krieg. Der Durst, verlorenes Land zurückzugewinnen, kann Millionen Menschen um den Verstand bringen. Und zwar vernünftige Menschen, die noch gestern von einem europäischen Russland träumten. Heute geloben sie im Chor: ‚Wegen der Krim verzeihen wir Putin alles!‘“

Angesichts dieser deprimierenden Bilanz Alexijewitschs nach ihrer Maidan-Erfahrung gefragt, zeigte sich Kateryna Mishchenko überrascht und auch wieder nicht, denn, so ihre Feststellung, die Gespräche über die Ukraine fangen oft mit Russland oder Putin an, statt von den Menschen zu handeln, die auf dem Maidan gelebt und gekämpft haben. Leider werde weder der Maidan noch die Ukraine als Subjekt wahrgenommen, sondern als etwas, das zwischen der EU und Russland verhandelt wird. Dennoch: Das Maidan-Kollektiv sei etwas Besonderes, denn es sei nicht von großen Namen gemacht und geprägt, sondern von ganz normalen Bürgern, ihrem Alltag und der Forderung nach neuen Werten. Daher gefalle ihr auch der Titel der Veranstaltung so gut: Der Maidan als Agora. Es sei der Versuch, über die Ukraine einmal anders als immer nur in geopolitischen Dimensionen zu sprechen. (more…)

Veranstaltungshinweis: Presentation of Translit-magazine

April 22, 2014

Mittwoch, 23. April 2014, 20.00 Uhr
Institut für Slawistik, Humboldt-Universität: Dorotheenstraße 65, Raum 5.57, Berlin-Mitte

translitAbout Translit:
Founded in 2005 in S.Petersbourg, Translit is a literary-theoretical review (published twice a year) and community of poets, artists, philosophers and humanities scholars. The editors of the anthology aim to bring forward various fields of confrontation in contemporary literary theory and the literary process, artists of Translit are carrying out annual festival af arts and poetry on the open air. Since 2010 Translit in collaboration with Free Marxist Publishing is editing series „kraft“. More about the last issue: http://trans-lit.info/english.htm

Participants and topics:
Pavel Arseniev: „Pragmatics of Literary Discourse“
Kirill Korchagin: „Language School: Russian and American Cases“
& poetry readings
Moderation: Tomáš Glanc

Further info:
Just as in ordinary language a certain number of assertions constitute the completion of an action in addition to the act of utterance, so many literary techniques aspire to the status of phenomena valuable in and of themselves, beyond mere representation (cf. Mayakovsky, “To write not about war, but to write by and through war”). These phenomena not only carry significant illocutionary force, but often an entirely palpable perlocutionary effect as well (cf. Kharms, “Poems should be written in such a way that if you throw a poem at a window, the glass will break”). The subject who makes a performative assertion is assumed to have a specific kind of authority and to make the assertion in a specific situation; in just the same way, the poet is the product of the specific authority of poetic utterance and is more than sensitive to the situation, not being ceaselessly and tacitly a poet (Pushkin, “And among the inconsequential children of this earth/Perhaps he is more inconsequential than all the rest./But when the Divine word/does reach his keen ears…”). Twentieth-century analytic philosophy realized that one can “do things with words,” while the “poets’s words” have long been intuitively equated to “his/her deeds” without any sort of theoretical underpinnings.

 

Veranstaltungshinweis: Lyriklesung mit Pavel Arsenyev und Kirill Korchagin am 19.04. in Berlin

April 16, 2014

Lyriklesung in russischer Sprache
Pavel Arsenyev und Kirill Korchagin

am 19.04.2014 um 20 Uhr
Nimmersatt, Dieffenbachstr. 53, Berlin-Kreuzberg

ZUM ERSTEN MAL IN BERLIN!!!
ВПЕРВЫЕ В БЕРЛИНЕ!!!!

Павел Арсеньев: поэт, художник, теоретик

Павел АрсеньевРодился в 1986 году в Ленинграде. Закончил магистратуру факультета филологии и искусств СПбГУ (специальность «теория литературы»). Стихи публиковались в российских и зарубежных журналах («Plotki», «Absent», «Le voci della luna», «Four centuries») а также в поэтических антологиях («Собрание сочинений – 2», «Словолов. В поисках утраченного ‘я’»). Выходили авторские книги („То, что не укладывается в голове“ СПб.: AnnaNova, 2005; «Бесцветные зеленые идеи яростно спят» – М., СПб: Kraft, 2011). Стихи переводились на английский, итальянский, датский, болгарский и польский языки. Статьи публиковались в журналах «Новое литературное обозрение», «Художественный журнал», «Политическая критика» и газете коллектива «Что делать?», портале OpenSpace.ru. Член Лаборатории Поэтического Акционизма [www.poetryactionism.wordpress.com] , главный редактор литературно-критического альманаха «Транслит» [http://www.trans-lit.info/]. Лауреат Премии Андрея Белого (2012), стипендиат Лозаннского Университета (2013-2014).

Кирилл Корчагин: поэт, критик, переводчик

Кирилл Корчагин 2Родился в 1986 г. в Москве. Кандидат филологических наук. Книга стихов «Пропозиции» (М.: Арго-риск, 2011). Статьи публиковались в журналах „Октябрь“, „Новый мир“, „НЛО“. Редактор раздела в журнале «Новое литературное обозрение». Редактор отдела поэзии [Транслит] с #12. Куратор серии литературных вечеров «Они разговаривают» (2009–2010). Лауреат премии «Московский наблюдатель» (2011), малой премии «Московский счет» (2012), премии Андрея Белого (2013).

Ведет вечер – Александр Филюта.

Вход: 6/4€

Veranstaltungsreihe: „Die Ukraine. Europäische Reflexionen“

April 13, 2014

Die Veranstaltungsreihe wird von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde in Kooperation mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, dem Literaturhaus Berlin, dem Suhrkamp Verlag, der Volksbühne Berlin und dem Polnischen Institut organisiert.

Hier der Ankündigungstext der Veranstalter_innen:

Die Ukraine steckt in einer tiefen Krise. Nach der breiten Protestbewegung gegen die autoritären und korrupten Strukturen des Regimes Janukowytsch, nach dem politischen Umsturz und nach der Annexion der Krim durch die Russländische Föderation gilt es, das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Koordinatensystem des Landes neu zu justieren. Aber nicht nur die Stabilität und territoriale Integrität der Ukraine sind bedroht, sondern auch die Sicherheit in Europa.

Gerade in Phasen der Dynamik und der Unübersichtlichkeit ist es nötig, innezuhalten und nachzudenken. Politik und Öffentlichkeit haben Bedarf an Aufklärung und Erklärung, an Reflexion und Einordnung. Die Gesprächsreihe Die Ukraine. Europäische Reflexionen mit Intellektuellen aus der Ukraine, Polen und Deutschland beleuchtet die Erwartungen der unterschiedlichen Strömungen in der ukrainischen Protestbewegung, den Blick von Intellektuellen aus und auf die Ukraine, die politischen Handlungsspielräume zur Überwindung der Staats- und Souveränitätskrise sowie Optionen einer künftigen Orientierung der Ukraine in Europa.

15. April: Der Maidan als Agora
Kateryna Mishchenko (Kiew), Mustafa Nayyem (Kiew)
20.00 Uhr
Literaturhaus, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin

22. April:  Sprache und Nation
Volodymyr Kulyk (Kiew)
20.00 Uhr
Literaturhaus, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin

29. April: Geschichte und Erinnerung
Wilfried Jilge (Moskau/Berlin), Anna Veronika Wendland (Marburg)*
20.00 Uhr
Literaturhaus, Fasanenstr. 23, 10719 Berlin

7. Mai: Aufbruch. Umbruch. Durchbruch? Die Ukraine vor den Wahlen
Marzenna Guz-Vetter (Europäische Kommission), Mykola Ryabchuk (Kiew/Wien), Susan Stewart (Berlin), Andreas Umland (Kiew)
18.00 Uhr
Vertretung der Europäischen Kommission, Unter den Linden 78, 10117 Berlin
in Kooperation mit der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland

13. Mai: „Habt ein Auge auf die Ukraine.“ Die Lehren von 1989
Juri Andruchowytsch (Iwano-Frankiwsk/Berlin), Adam Michnik (Warschau)
Volksbühne, Linienstraße 227, 10178 Berlin
20.00 Uhr
in Kooperation mit dem Suhrkamp Verlag, der Volksbühne Berlin und dem Polnischen Institut Berlin

20. Mai: Ukraina – Kultur an der Grenze. Der Grenzraum als Kontaktzone
Andrej Kurkow (Kiew), Jurko Prochasko (Lemberg), Serhii Zhadan (Charkiw)*
20.00 Uhr
Literaturhaus, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin

* angefragt

Die ausführlichere Ankündigung der ersten Veranstaltung der Reihe, der Podiumsdiskussion „Der Maidan als Agora“ am 15. April, finden Sie hier: (more…)