„Euromaidan. Besetzte Räume.“ — Hinweis auf eine Fotoausstellung von Yevgenia Belorusets

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Euromaidan. Besetzte Räume von Yevgenia Belorusets ist eine fotografische Erzählung über das Leben im Epizentrum der Massenproteste auf dem Kiewer Euromaidan.

Die Ausstellung ist vom 31.1. bis zum 20.2. (Do-So, 15.00-19.00 Uhr) in der Galerie OKK Berlin, Prinzenallee 29, zu sehen.

Hier der Ankündigungstext der Künstlerin:

Schon seit einigen Tagen keinen friedlichen Protest in Kiew mehr. Meine Fotografien sprechen davon, was auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist: eine besondere Protestkultur, die es so nur in der Ukraine gegeben hat und die in manchem an ein Volksfest erinnerte. Und die in mancher Hinsicht verwiesen hat auf die eingeführten Spektakel vergangener Jahrhunderte: Verfolgung und öffentliche Bestrafung von „Verrätern“, das Florieren von Ritual und mythologischem Denken.

Die während der gesamten Protestzeit immer wieder geführten Diskussionen zwischen Vertretern unterschiedlicher Ansichten über die Zukunft gehen nun im schwarzen Rauch der brennenden Decken unter. Die Meinungsverschiedenheiten verschwinden mit den vernichteten Leben. Wenn ich mir diese Fotos anschaue, steht mir immer vor Augen: fünf Tote, unzählige Verletzte.

In der Kiewer Innenstadt geht der gewaltsame Widerstand weiter. Auf dem Euromaidan verschwinden Menschen, Unbekannte in Zivil nehmen sie mit, dann erfahren wir aus den Nachrichten, dass sie geschlagen und gefoltert wurden. Über dem Kiewer Protest schwebt nicht mehr die schemenhafte Europa-Idee, sondern der Hass auf die Macht, die Forderung nach Veränderungen und die direkte Bedrohung für Leib und Leben.

In vielen Medien wird derzeit über die Angriffe von Seiten der Protestierenden geschrieben. Aber die autoritäre Gewalt von Seiten des Staates ist und bleibt in ganz anderen Ausmaßen grausam, brutal und sinnlos. Es ist die Gewalt eines zerfallenden Systems, das allein die Existenz eigenständiger politischer Formen von anderem Denken ablehnt. Diese Gewalt ist ansteckend, sie will unsere Immunität, unsere Widerstandsfähigkeit, unseren Glauben daran zerstören.

Nach langem Zögern habe ich mich entschlossen, meine Ausstellung zum friedlichen Protest in Kiew dennoch zu zeigen und nicht aufzuschieben. Die Fotografien, die in dem geschützten Raum der Berliner Galerie zu sehen sind, zeigen friedliche Demonstranten. Wir sehen sie in Momenten des Durchatmens, in Erwartung. Ihr eiserner Wille, sich der ukrainischen politischen Realität nicht zu unterwerfen, ihr Misstrauen gegenüber der großen Politik machen Eindruck.

Sie haben etwas gewagt, sie haben verschiedene, mitunter auch nationalistische Losungen verbreitet und hatten damit oft etwas ganz Anderes im Sinn, das sich nicht in das nationalistische Dogma einschreibt. Genau dieser Ungehorsam, und sei er auch noch so unterschwellig, macht mir Hoffnung.

Aber jetzt, wo das Leben von vielen Menschen in Gefahr ist, fällt es schwer, die Ergebnisse des Protestes in den Blick zu nehmen, ebenso die Hoffnungen, jetzt müssen wir uns dem zuwenden, was auf unseren Straßen und Plätzen passiert.

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