Eine sogenannte Himmelsrichtung

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Text, Fotos und Audiobeitrag von:
Renée Somnitz und Anne-Christin Grunwald

Wo liegt eigentlich „Osteuropa“? Gehören die DDR und Österreich dazu? Welche Funktionen erfüllen Osteuropa-Stereotype für das westeuropäische Selbstbild? Auf welche Weise sind wir selbst in das Machtverhältnis zwischen „Ost“ und „West“ verstrickt?

Wie so häufig bei selbstorganisierten Bildungsprojekten, standen auch bei dem von April 2012 bis Februar 2013 an der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführten Projekttutorium „,Osten ist, was du draus machst!‘ – Osteuropakonstruktionen aus machtkritischer Perspektive“ eine Menge Fragen am Ausgangspunkt der Reise. Einer Reise, bei der wir nicht nur auf der Suche nach dem „Osten“ immer wieder im „Westen“ ankamen, bei dessen Selbstinszenierung und dessen Blick auf die „osteuropäischen Anderen“. Einer Reise, dessen Ziel auch deshalb niemand wirklich kannte, da es sich um ein Projekt der Self-Education handelte, ein prozessorientiertes, offenes Lernen, bei dem nicht nur die Grenzen zwischen „Ost“ und „West“, sondern auch jene zwischen Leitung und Teilnehmer_innen, zwischen Lehrenden und Lernenden überschritten werden sollten. Dabei ging es jedoch nicht darum, solche Grenzen einfach zu ignorieren, sondern um ihre Hinterfragung: Wozu werden Grenzen gezogen, wem nützen sie, wer darf „innen“, wer muss „außen“ sein und warum?

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Es blieb dann auch nicht nur bei Fragen. Zunehmend kamen selbst auferlegte Aufforderungen hinzu: Nach dem Motto „Keine Angst vorm Atlas – Mut zur Schere!“ wurde beispielsweise die vermeintliche Objektivität von Wissen, wie es sich in geografischen Karten manifestiert, in Frage gestellt. An anderer Stelle verlangte etwa die Analyse von Liederbüchern aus der eigenen Kindheit oder die Betrachtung aktueller Reiseführer und alltäglich konsumierter Presseberichte immer wieder, den eigenen Blick kritisch in den Blick zu nehmen.

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Und am Ende der Reise? Folgten auf die Fragen und Handlungsversuche schließlich auch Aussagesätze, jene mit einem Punkt am Ende, der so groß ist, dass er nicht doch noch zu einem Fragezeichen umfunktioniert werden könnte? Wir stellten fest: Fängt man einmal an mit der Kritik an objektivem Wissen, wird es schwerer, eindeutige Erkenntnisse zu präsentieren. So sind wohl in erster Linie jene Sätze entstanden, an deren Ende drei Punkte stehen, also Sätze, die noch erweiterbar sind…

In diesem Sinne haben wir im Nachgang des Projekttutoriums einige Diskussionsfäden in Form eines kurzen Audiobeitrags zusammengeführt – zum Ver- und Aufknoten, Ent- und Verwirren, zum Herausgreifen und Weiterspinnen. Wir wünschen viel Spaß beim Zuhören und bitten um Nachsicht ob der suboptimalen Klangqualität…

Der Audiobeitrag kann hier heruntergeladen werden:     https://www.hu-berlin.de/studium/reform/projekttutorien/praesentation-grunwald-2/view

Wie an unserer Vorliebe für die Satzzeichen des Unabgeschlossenen unschwer erkennbar, soll die im Rahmen des Projekttutoriums begonnene Auseinandersetzung auch in Zukunft noch weitergehen. Von Folgeprojekten wird bereits geträumt. Nicht zuletzt deshalb freuen wir uns immer über Kontakt mit weiteren Interessierten. Erreichbar sind wir über: west_and_east@gmx.net


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