Archive for März 2013

Internationale Tagung „Kunsturteile & Urteilskünste. Literatur und Kunst vor Gericht“ in Zürich

März 6, 2013

Kunsturteile und Urteilskünste

Vom 14. bis 16. März 2013 findet an der Gessnerallee in Zürich die in Zusammenarbeit mit dem Slavischen Seminar Zürich organisierte internationale Tagung „Kunsturteile & Urteilskünste. Literatur und Kunst vor Gericht“ statt. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen die ästhetischen und juridischen Debatten um Literatur und Kunst vor Gericht. Die Vorträge und Diskussionen befassen sich sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus künstlerischer Perspektive mit der Konkurrenz sowie der Vereinbarkeit von juridischen und ästhetischen Diskursen und Urteilen: Wie wird vor Gericht über Literatur und Kunst debattiert? Anhand welcher Dokumente und Gutachten werden Urteile über Kunst gefällt? Welche Rolle spielt die Meinung von Experten bei der Urteilsfindung? Welche (Selbst)Verteidigungsstrategien werden von Künstlern und Anwälten vor Gericht gewählt? Inwiefern korrelieren diese mit gängigen literatur- und kunstwissenschaftlichen Theorien? Wie werden durch Gerichtsurteile Kunst- bzw. Literaturbegriffe geprägt? Fragen, die anhand so vielfältiger Fälle wie dem „One-ThousandYen-Note Trial” gegen den japanischen Künstler Akasegawa Genpei von der Gruppe Hi Red Center, dem bekannten deutschen Prozess gegen Maxim Billers Roman Esra oder den jüngsten russischen Kunstgerichtsprozessen – darunter auch jener gegen Pussy Riot –verhandelt werden. Parallel zur Tagung ist eine Videoinstallation mit der Komplettaufzeichnung der von Milo Rau im Moskauer Sacharow-Zentrum Anfang März inszenierten „Moskauer Prozesse“ in der Halle aufgebaut.

Die Tagung ist öffentlich und Interessierte sind herzlich eingeladen. Es wird jedoch um eine Voranmeldung in der Gessnerallee gebeten.

Detaillierte Angaben: Programm

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Aufruf zum Dableiben. Serhij Zhadan las in Zürich aus seinem neusten ins Deutsche übersetzten Roman „Die Erfindung des Jazz im Donbass“.

März 4, 2013

Die Lesung mit dem ukrainischen Schriftsteller Serhij Zhadan bildete den Schluss- und gleichzeitigen Höhepunkt des diesjährigen Kritikerworkshops im Literaturhaus Zürich. Sie begann mit einer empathischen Hommage an Zhadan durch den Moderator Jurko Prochasko. Der Übersetzer, Autor und Literaturwissenschaftler Prochasko nannte sich neben Zhadan ‚durch Ehrfurcht behindert’ und bezeichnete sich von da an – nicht ohne ein Augenzwinkern – nur noch als ‚Suggerator’. Die Diskrepanz jedoch, die zwischen der einleitenden Lobeshymne und dem daneben sitzenden fast unscheinbaren Zhadan entstand, erzeugte eine seltsame Komik. Im Verlauf des Gesprächs wurde klar: Zhadan scheint keine Ambitionen zu haben, sich zum Mythos zu stilisieren oder ein romantisches Bild des Künstler-Genies heraufzubeschwören.
LiteraturhausZH-Lesung ZhadanAls hätte er seine Texte soeben aus dem Internet runtergeladen, las Zhadan aus einem Kindle E-Book-Reader. So wurde seine Stimme beim Lesen nie durch das Rascheln vom Seitenumblättern unterbrochen, was seine Sprache noch dichter zu machen schien.
In seinem neusten Roman habe er eine Terra Incognita der Ukraine in die Literatur holen wollen, sagte Zhadan im Gespräch mit Prochasko. Doch im Gegensatz zu den deutschen Kritiken seines Buches finde er diese Welt durchaus nicht so brutal, aussichtslos und unzivilisiert. Vielmehr sei sein Roman ein Aufruf zum Dableiben, da alle jungen Leute aus der Donbass-Region weggehen möchten.
Als Zhadan auf die Bitte aus dem Publikum hin aufstand und eines seiner früheren Gedichte wie Beschwörungsformeln vortrug, hörte das Publikum den Jazz aus dem Donbass und war bereit, in der Terra Incognita der Ukraine zu bleiben und sie neu zu beleben.

Die Lesung kann über den folgenden Link des Litradios nachgehört werden: http://www.litradio.net/artikel/artikel/serhij-zhadan.html
oder hier direkt heruntergeladen werden: Serhij Zhadan bei Litradio