Archive for Oktober 2011

„An den unbekannten Helden“ – eine Lesung von SRETEN

Oktober 31, 2011

Das Institut für Slawistik der HU und der Dittrich-Verlag laden ein:

Sreten Ugričić, SRETEN genannt, liest am 10. November 2011 auf Deutsch und Serbisch aus seinem Roman An den unbekannten Helden / Neznanom junaku.

In dieser Anti-Utopie entmythologisiert SRETEN das Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajevo, das hundert Jahre lang in Serbien bejubelt wurde. Der Autor entlarvt eine repressive, vom Virus des Nationalismus zersetzte Gesellschaft. Die Hauptfigur des Romans ist der ›unbekannte Held‹, der sich nicht, wie im Mythos, für sein Vaterland aufopfert, sondern seinen eigenen Mythos zu entlarven versucht. SRETENs Roman ist eine provokative Allegorie auf Serbien, die aber auch auf andere Staaten übertragen werden kann.

Das anschließende Gespräch mit SRETEN wird moderiert von Mirko Schwanitz und Miranda Jakiša.

Sreten Ugričić nennt sich SRETEN und lebt in Belgrad. Der 1961 in Jugoslawien geborene Romancier, Essayist, Konzeptkünstler, Astronom und Philosoph ist Autor einer Sammlung von Kurzgeschichten und drei Romanen. Ugričić ist Mitglied des serbischen P.E.N. und Leiter der Serbischen Nationalbibliothek.

Am Donnerstag, 10. November 2011
um 18 c.t. Uhr
an der Humboldt-Universität zu Berlin
Dorotheenstraße 24, 10117 Berlin
im Hörsaal 1.101 

Diese Veranstaltung wird unterstützt durch das Institut für Slawistik der HU Berlin und den Dittrich-Verlags.

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Eröffnung der Ausstellung VLADIMIR NABOKOV

Oktober 23, 2011

am Mo 31.10.2011 um 19.15 Uhr

Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Slawistik
August-Boeckh-Haus
Dorotheenstraße 65
Flure der 5. Etage

Die Ausstellung „Vladimir Nabokov“ (Konzeption: Sophie Friedrichs, Lucia Vachek und Studierende der Russischen und Englischen Literatur) beleuchtet ausgehend von den 15 in Berlin verlebten Jahren des Schriftstellers, Schmetterlingsforschers und Universitätsdozenten das Werk und Leben des Autors. Angereichert mit historischem Fotomaterial erläutert sie die Wohn- und Wirkstätten des Autors – insbesondere die Lebens-stationen im Berlin der 1920er Jahre, aber auch die amerikanischen – und illustriert diese mit englisch- und russischsprachigen Textstellen aus Nabokovs literarischem Werk.

Zur Ausstellungseröffnung wird eine Videoinstallation (mit Interviewausschnitten, Ausschnitten aus Verfilmungen) gezeigt.

Es findet eine kurze Lesung ausgewählter Textstellen in russischer und englischer Sprache statt.

Im Anschluss laden die Ausstellungsmacherinnen alle Interessierten zum Umtrunk und zum persönlichen Gespräch ein.

Die Ausstellung ist bis 20. Dezember am Institut für Slawistik zu sehen.

LESUNG mit Michail Šiškin

Oktober 22, 2011

Das Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin

lädt ein zur

LESUNG mit Michail Šiškin / Михаил Шишкин

Der bekannte, in der Schweiz lebende russische Gegenwartsautor, der 2011  für  seinen Roman “Venushaar”/“Венерин волос” den Internationalen Literaturpreis erhielt, liest aus aktuellen Werken. Die Lesung moderieren Miriam Finkelstein und Nina Weller.

–  Montag,  den 24. Oktober 2011, um 18.00 Uhr

– HU Berlin, Hautgebäude (Unter den Linden 6), Raum 2103

Gute Nachbarschaft?

Oktober 13, 2011

Grupa Twożywo, Polnische Schweine / Polish pig, 2006 (via)

Während derzeit im Martin Gropius Bau eine polnisch-deutsche Leistungsschau der Superlative zu sehen ist, die in ihrer Bekräftigung einer hoch- und höchstkulturellen Verflechtung der beiden Staaten ebenso Geschichte macht wie in ihrer Ignoranz für weniger glanzvolle Kapitel dieser Nachbarschaft, traut sich eine kleine Ausstellung in Berlin im Haus Bethanien am Mariannenplatz unter dem  Titel Gute Nachbarschaft? Deutsche Motive in polnischer Gegenwartskunst / Polnische Motive in deutscher Gegenwartskunst an Vorurteilen und Stereotypen zu rühren. Die von Kamil Kuskowski, Jarosław Lubiak und Magdalena Ziomek-Frąckowiak kuratierte Ausstellung ist zwar Teil des 1400 Veranstaltungen umfassenden Kulturprogramms, das Polen im Rahmen seiner 184-tägigen EU-Ratspräsidentschaft stemmt – sie überrascht aber in puncto Selbstreflexion und -kritik, die der Parallelausstellung „Tür an Tür“ im Walter Gropius Bau vollkommen abgeht.
Jüngste Generationen von Polen und Deutschen werden wohl kaum noch im Schatten des deutschen Kriegsterrors stehen – dass der Zweite Weltkrieg dennoch tief im (visuellen) Gedächtnis sitzt, das beweisen gleich eine Reihe von Werken in dieser Ausstellung. Die Videoinstallation von Rafal Jakubowicz (Arbeitsdisziplin, 2002) etwa, in der Filmaufnahmen des VW-Werkes im Poznaner Stadttei Antoninek gezeigt werden: Eine Fabrik, die von einem Schlotähnlichen Turm  überragt wird; im Vordergrund Stacheldraht, hinter dem Wachpolizisten patroullieren. Unweigerlich denkt der Betrachter natürlich an Krematorien. Als Jakubowicz diese Arbeit in der Poznaner Galerie Arsenal ausstellen wollte, kam es zu einem Konflikt mit der Stadtverwaltung. Zu groß war die Angst, den größten Arbeitgeber der Region zu verstimmen.
Weitere Arbeiten beschäftigen sich mit den Begegnungen an der Basis, im Alltags- und Arbeitsleben. Partnervermittlungsagenturen, die polnische Frauen im großen Stil an den deutschen Mann bringen wollen, thematisiert Clemens Wilhelms in seiner Arbeit Sie sucht ihn (2010). Im Kontext der Galerie, in der die Diaschau von den sich anbietenden Frauen zu sehen ist, unterlegt von ihren Erwartungen und Hoffnungen, die von einer Computerstimme vorgetragen werden, tritt der Aspekt der Selbstvermarktung in aller Schärfe in den Vordergrund. Als Umkehrung der stereotypen Wahrnehmung der Polin und des Polen als billigeR DienstleisterIn ist die Performance von Dietmar Schmale zu verstehen: „Der polnische Putzmann“ titelte die Gazeta Wyborcza über den Deutschen, der sich als Fenster- und Kloputzer in Polen verdingte (Restitution – kultureller Austausch, 2010).
Man wünscht sich öfter eine derartige Ausstellung – jenseits nationalstaatlicher Repräsentation, in der Kultur nicht mehr als eine Kolumne im EU-Ratingbericht ausfüllt. Und gerade im Bezug auf eine Annäherung an Polen ist die Kunst, schreibt Peter Funken in seinem Katalogbeitrag, „eine immense Chance und eine Art Spiegel, in der ich über mich und die Deutschen sehr viel erfahren konnte“. Gleichzeitig habe sich eine Rede über „die deutsch-polnische Nachbarschaft“ längst erübrigt, fügt er hinzu: „Vielmehr sollte man von Nachbarschaften und Gemeinschaften sprechen“ und, fährt Funken fort, „mit der Kunst etwa gibt es Modelle für gemeinsame Sprachen und Themen, die sich kaum mehr national oder isolierend verorten lassen. Gemeinsame Interessen können die Zugehörigkeit zu wirklichen Gemeinschaften herstellen, also eine internationale Verbundenheit und Solidarität zwischen Menschen mit ähnlichen Zielen und Anliegen erschaffen.“

„Gute Nachbarschaft? Deutsche Motive in polnischer  Gegenwartskunst / Polnische Motive in deutscher Gegenwartskunst“

Studio I, Bethanien am Mariannenplatz 2, 10997 Berlin
Noch bis Sonntag, den 23.10.2011
täglich von 12:00 bis 19:00 Uhr
Eintritt frei

Finnisage am 23.10.2011 um 17 Uhr mit Performance: Wirklichkeitskonstruktionen, Michael Kurzwelly

Mit:
Tomasz Bajer, Marcin Bedryszak, Anke Beims, Constantin Hartenstein, Tobias Hauser, Rafał Jakubowicz, Paweł Jarodzki, Leszek Knaflewski, Jerzy Kosałka, Monika Kowalska, Grzegorz Kowalski, Michael Kurzwelly, Kamil Kuskowski, Leszek Lewandowski, Zbigniew Libera, Łódź Kaliska, Robert Maciejuk, Laura Pawela, Aleksandra Polisiewicz, Jan Poppenhagen, Józef Robakowski, Zbigniew Sejwa, Dietmar Schmale, Tom Schön, Przemysław Truściński, Twożywo, Andrzej Wasilewski, Clemens Wilhelm, Wunderteam

Mehr Infos hier

Städte im Bau: Berlin – Warszawa

Oktober 11, 2011

„Cały naród buduje swoją stolicę – Das ganze Volk baut seine Hauptstadt“, Aleja Jezorolimskie, Warschau (Bild via)

Es gab eine Zeit, da baute  die Bevölkerung eine Stadt gemeinsam auf. Heute dagegen scheinen die Menschen, die in einer Stadt leben, ihren Lebensraum, das Recht auf die Nutzung öffentlicher Räume, bezahlbare Mieten etc. permanent verteidigen zu müssen. Gleichzeitig werden, nicht selten auch mitbestimmt durch die Bevölkeung selbst, die architektonischen Zeugen einer ungeliebten Vergangenheit niedergerissen – ganz so als ob damit auch die Erinnerung verschwände.

Berlin und Warschau, jene europäischen Metropolen, die im Zweiten Weltkrieg am meisten zerstört wurden, suchen seit der Systemtransformation 1989 nach einer neuen Identität und einer Überwindung des Jahrhunderts der Extreme – und der Kampf darum ereignet sich nicht selten auf dem Feld der Architekturpolitik. Beide Städte stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Sollte im Sinne einer Geschichtsklitterung der Warschauer Kulturpalast ebenso abgerissen werden wie der Berliner Palast der Republik? Wird Praga das Warschauer Schwabylon? Wo rumpeln mehr Rollkoffer über das Kopfsteinpflaster – und was kann man dagegen tun? Diese und andere Fragen werden von polnischen und deutschen Stadtkundigen am Donnerstag, den 13.10.2011 um 19.00 Uhr im Martin Gropius Bau diskutiert und unnnachgiebig nach dem genius loci der beiden europäischen Hauptstädte gefragt sowie über die Rolle von Kunst, Kultur und der Zivilgesellschaft beim „Bau“ der beiden Metropolen gestritten.

Mit: Arnold Bartezky (Uni Leipzig): Er wird architekturgeschichtliche Thesen zum Wiederaufbau Warschaus und Ostberlins nach dem Krieg und zum Umgang mit der modernen Architektur nach 1989 vorstellen – Tomasz Fudala (Museum für Moderne Kunst Warschau): Er berichtet von der Initiative „Warsaw under construction“ und dem Versuch des Museums, sich in die aktuelle Warschauer Planungspolitik einzumischen – Joanna Erbel (Krytyka Polityczna) schildert jüngste Verdrängungsprozesse in einigen Warschauer Stadtvierteln und den sich dagegen artikulierenden Protest und Markus Bader (raumlaborberlin) vergleicht den Umgang mit öffentlichem Raum in Warschau und Berlin. Moderation: Stefanie Peter (Kulturwissenschaftlerin).

Städte im Bau: Berlin – Warszawa
Donnerstag 13.10.2011 um 19.00
Martin-Gropius-Bau, Kinosaal
Niederkirchnerstr. 7, Berlin-Mitte