Archive for September 2011

Achtung, Comics!

September 21, 2011

Derzeit findet in St. Petersburg bereits zum fünften Mal das Comic-Festival „Boomfest“ statt, ein kleines aber feines Festival, das ganz im Zeichen des Zeichnens steht: die Besucher können Ausstellungen von internationalen sowie russischen Künstlern besuchen, Vorlesungen anhören, an Meisterklassen teilnehmen oder sich einfach auf dem Bücherbazar mit Neuerscheinungen und alten Klassikern des Genres eindecken.

Dmitrij Jakovlev, einer der Hauptorganisatoren des „Boomfests“ erinnert sich an die bescheidenen Anfänge der Veranstaltung: „Das erste Festival haben wir gemacht, als wir noch alle gemeinsam in einer Kommunalka gewohnt haben“, erzählt er. „Der kanadische Künstler Philip Girard hat das sogar in seinem Comic ‚Les Ravins’ beschrieben. Seither ist das Festival um einiges gewachsen. 2007 gab es fünf Ausstellungen, heute machen wir jährlich etwa fünfzehn. Das Publikum ist größer geworden, die Leute kennen das Festival schon und kommen gern zu den Ausstellungen.“

Überhaupt ist in den letzten Jahren zu bemerken, wie Comics und die mit ihnen eng verwandten „Graphic Novels“ immer beliebter werden. Neben Art Spiegelmans Klassiker „Maus“ (1986 bzw. 1991), in dem eindrucksvoll die Geschichte des polnischen Holocaust-Überlebenden Vladek erzählt wird, feierte in den letzten Jahren vor allem Marjane Satrapis „autofiktionale“ Geschichte „Persepolis“ (2000) weltweit Erfolge. Viele bekannte Graphic Novels wurden verfilmt, wie z.B. Frank Simmons “Sin City” (1991, Verfilmung 2005, R. Rodriguez) oder Daniel Clowes “Ghost World” (1993, Verfilmung 2001, T. Zwigoff), und die frankokanadische, legendäre Zeichnerin Julie Doucet hat ihre unzensierten Alltagsgeschichten aus dem “My New York Diary” (1999) vor kurzem mit dem nicht weniger legendären Michel Gondry noch einmal filmisch verarbeitet.

In Russland entstanden die ersten Comics Anfang des 20. Jahrhunderts und wurden in satirischen Journalen wie “Begemot” und “Krokodil” oder in Zeitschriften für Kinder wie “Ež” oder “Čiž” gedruckt. Während der Sowjetunion verschwand das Comic praktisch von der Bildfläche, lediglich in Kinderzeitschriften tauchte es noch in Form der „Veselye kartinki“ auf.

Nach einem kurzen Comic-Boom nach dem Zerfall der Sowjetunion kamen um 2000 vor allem Übersetzungen von Marvel oder Disney-Comics auf den Markt. Russische Publikationen gab es nur vereinzelt. „Seither hat sich die Situation aber stark verändert“, meint Dmitrij. „Das hängt vor allem damit zusammen, dass die japanischen Animationsfilme so beliebt geworden sind. Eine unglaubliche Menge asiatischer Comics aus Japan, Korea und China hat den Markt überflutet. Außerdem gibt es jetzt auch die amerikanischen Superhelden-Comics im Buchformat. Das heißt, meistens werden Comics hier von Kindern und Jugendlichen gelesen. Viele der russischen Zeichner sind stark von den asiatischen Comics beeinflusst, die zeichnen dann sowas wie russische Mangas. Denselben Einfluss haben auch amerikanische und französische Comics.“

Die meisten der russischen Comicautoren sind Illustratoren, Graphikdesigner oder Schriftsteller, die ihre Werke entweder im Internet oder in kleiner Auflage in unabhängigen Verlagen publizieren. Einer dieser Verlage nennt sich „Boomkniga“ und wurde von den Organisatoren des „Boomfests“ ins Leben gerufen. Der Verlag hat es sich zum Ziel gesetzt, dem russischen Leser die Welt der Comics etwas näher zu bringen, und veröffentlicht in kleiner Auflage und schöner Aufmachung russisch- und französischsprachige Geschichten.

Ein besonders interessantes Projekt des Verlags ist das Buch »Zapretnoe iskusstvo – 2006«, das noch dieses Jahr erscheinen soll: die Künstler Viktorija Lomasko und Anton Nikolaev verarbeiten darin den Gerichtsprozess, der 2007 von einer orthodoxen Organisation gegen die Veranstalter der gleichnamigen, im Sacharov-Zentrum stattfindenden Ausstellung losgetreten wurde. Die Angeklagten Andrej Erofeev und Jurij Samodurov wurden im Juli 2010 wegen „Verletzung des Nationalstolzes und religiöser Gefühle“ zu hohen Geldstrafen verurteilt.

Die Autoren, die schon den Prozess selbst direkt aus dem Gerichtssaal bildnerisch dokumentierten, veröffentlichen nun ihre Eindrücke in einem Band, der ein gesellschaftspolitisch brisantes Thema der Gegenwart in Form einer einer »graphischen Reportage« behandelt.

Auch eine Reihe anderer russischen Künstler haben abseits des Manga-Mainstreams ihre eigene Sprache gefunden und zeichnen witzige, philosophische, schöne oder auch mal traurige Comics:

Varvara Pomidors Geschichten zum Beispiel erscheinen oft fragmentarisch und rätselhaft und verbinden wunderschön gezeichnete Bilder mit poetischen Texten. In Pravda“ erzählt sie in einer Mischung aus Collage, Graphik und Text von ihrer Kindheit in der Sowjetunion und dem Unterschied zwischen offizieller und persönlicher Wahrheit.

Der Petersburger Aleksej Nikitin beschreibt in seinen nach Motiven von Daniil Charms gezeichneten Geschichten Situationen aus dem Leben von Aleksandr Puškin, Lev Tolstoj und Fjedor Dostojevskij. In anderen Arbeiten zeigt er Kurt Cobain und Courtney Love beim Tennisspielen oder beschreibt absurde Episoden aus dem Leben von Sid und Nancy, Jesus Christus oder den Beatles.

Polina Petrouchina, 1985 in Moskau geboren, lebt und arbeitet als Illustratorin in Strassburg und zeichnet Geschichten, in denen Motive aus der russischen Folklore genauso vorkommen, wie sarkastische, träumerische oder burleske Elemente. Manche ihrer Comics werden nicht auf Papier gezeichnet, sondern auf Stoffen, Fliesen oder Kleidungsstücken realisiert.

Oleg Tiščenkovs Serie »Kot«, in der Mensch und Katze die wichtigen (und manchmal auch unwichtigen) Fragen des Lebens diskutieren, erreichte im Internet einen so hohen Bekanntheitsgrad, dass auf Grund der großen Nachfrage mittlerweile auch zwei gedruckte Bücher, sowie eine speziell für das I-Pad entwickelte, interaktive Sammlung der Comics (letzere heißt stilgerecht »I-Kot«) erschienen sind.

Wer sich für Comics interessiert, sollte also am besten das »Boomfest« besuchen (läuft noch bis 16. Oktober), oder einfach die unendlichen Weiten des Internets durchforsten. Fündig wird er sicherlich werden.

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Sprach- und Kulturräume sondieren. RADAR

September 14, 2011

Über das dreisprachige Literaturmagazin RADAR, das seit März 2010 von der Villa Decius in Kraków herausgegeben wird, hat Novinki-Blog bereits berichtet. Die Zeitschrift versammelt Texte bekannter, meist jüngerer Autorinnen und Autoren aus Polen, der Ukraine und Deutschland. Aus Anlass des Erscheinens der dritten Nummer des Magazins sprechen Esther Hool und Michael Zgodzay mit der Chefredakteurin von RADAR, Renata Serednicka, über die Literaturen dreier Länder, den Gedankenaustausch in Mitteleuropa und die Rolle der ÜbersetzerInnen.

novinki: Erstmal Glückwunsch zu den gelungenen ersten drei Nummern von RADAR.

Der Titel der ersten Ausgabe eures Literaturmagazins – „home-sick“ (die zweite und dritte Ausgabe kommen ohne Titel aus) scheint Mehrdeutigkeit zu transportieren. Könnte man das Programm des Magazins als einen Versuch verstehen, die nationale und transnationale Sicht auf die mittel-ost-europäischen Literaturen zu verbinden, bzw. grenzüberschreitende Tendenzen in den jeweiligen Lokalitäten zu verdeutlichen?

Renata Serednicka: RADAR entstand durch persönliche Kontakte zwischen Autoren aus den Bereichen der mittel-ost-europäischen Sprachen. Der Idee des Magazins liegt vor allem die Leseentdeckung zugrunde, dass die Literatur verschiedener Nationen ein einstimmiges Bild von der Wirklichkeit schafft, indem sie die gleichen universellen Erfahrungen beschreibt. Die nationalen Literaturen verbinden sich auf diese Weise auf einer transnationalen Ebene, ohne dass sie ihre Eigenartigkeit verlieren.

Das Phänomen einer Literatur in mehreren (in diesem Fall drei) Sprachen wäre auch nicht möglich, wenn sich ihr die Literaturübersetzer nicht anschließen würden. Sie sind diese „Grenzgänger“, die die Leser in eine Welt führen, die scheinbar nicht zugänglich ist – in die Welt einer fremden Sprache. Dadurch erhalten wir die Möglichkeit, uns in das Fremde hinein zu versetzen und zu entdecken, dass es um die gleichen Dinge geht – nur anders beschrieben.

Hinzu kommt eine dritte Perspektive – die individuelle. Jeder Autor schreibt aus seinem persönlichen Lebensumfeld, aus der Kultur und Tradition seines Ursprungslandes heraus und gibt somit nicht nur ein beispielhaftes Zeugnis des Lebens in seinem Land, sondern stellt ein Portrait seiner eigenen Persönlichkeit darin dar. Der Leser wird durch die Lektüre eines Textes mit einem Menschen mit anderen Wurzeln vertraut und einer bestimmten Botschaft, wodurch es zu der direktesten Form der Grenzüberschreitung kommt. Die individuelle Ebene erleichtert das Finden von Gemeinsamkeiten trotz der kulturellen Unterschiede, da es den Leser am direktesten anspricht und Gemeinschaft schaffen kann.

Die Redaktion von RADAR ist sich bewusst, dass erst der Austausch von Ideen und Mentalitäten das Näherkommen von verschiedenen Menschen fördert und Toleranz auf transnationaler Ebene entwickelt.

n.: Und was verspricht sich die Redaktion von der Dreisprachigkeit des Magazins?

R.S.: Das Magazin soll zu einem Forum für den Gedankenaustausch innerhalb der jungen literarischen Kreise Mittelosteuropas werden. Dabei steht die Internationalisierung des literarischen Diskurses im Mittelpunkt. Dazu können sowohl die Vorstellung der neuesten Arbeiten ausländischer Autoren, die literaturkritischen Texte als auch Präsentation und Rezension neuer Bücher, die in Übersetzung erschienen sind, maßgeblich beitragen.

Des Weiteren kann das Magazin den nachbarschaftlichen Dialog um einen kulturell-literarischen Diskurs erweitern. Für Polen, Deutsche und Ukrainer, die im jeweils anderen Land leben, dient es dazu, ihre sprachlichen und kulturellen Wurzeln aufrecht zu erhalten. Außerdem können sich sowohl Verleger und Übersetzer, als auch Akademiker und Studenten der Polonistik, Slawistik und Germanistik über literarische Neuigkeiten informieren und dabei gleichzeitig dynamische Veränderungen der Sprache mitverfolgen. Nicht zuletzt sollen auch Menschen, die sich nicht aktiv am literarischen Geschehen beteiligen, auf die junge Literatur der Nachbarländer aufmerksam gemacht werden, was vor allen Dingen durch den Vertrieb über das Internet und an populären Orten der Kulturszene zu erreichen ist.

n.: Wie funktioniert überhaupt die Vernetzung zwischen den HerausgeberInnen, AutorInnen und ÜbersetzerInnen? Sind das persönliche Kontakte, oder eher institutionelle? Ist es vorstellbar, dass in Zukunft auch andere mitteleuropäische Sprachen dazukommen werden?

R.S.: Den Ursprung von RADAR bilden die Stipendienprogramme der Villa Decius. Durch die Anwesenheit von Schriftstellern aus unterschiedlichen Ländern, ihren literarischen und kulturellen Austausch, durch die Übersetzung der einzelnen Texte im Zusammenhang mit internationalen Lesungen entstand ein erstes, von persönlichen Kontakten geprägtes Netzwerk. Vor allem um diesen Gedankenaustausch für Leser und Leserinnen dauerhaft nachvollziehbar zu machen und auszuweiten, entstand die Idee eines dreisprachigen Literaturmagazins. Die Vernetzung wurde auch auf institutionelle Kontakte ausgeweitet, zum einen, da die staatliche Unterstützung der Villa Decius als Verein notwendig war, und zum anderen, um noch mehr Wirkungseinheiten einzubeziehen, was dem Projekt RADAR Erfolg garantieren sollte. So nahmen wir beispielsweise zur philologischen Fakultät der Jagiellonen-Universität Kontakt auf, um Studenten zur Mitarbeit und zum literarischen Engagement zu animieren, gleichzeitig aber auch die Zeitschrift zu bereichern.

Es wäre wünschenswert, RADAR auf noch andere mitteleuropäische Sprachräume auszudehnen und das Magazin für ein noch breiteres Publikum zugänglich zu machen. Wir könnten uns dank der zahlreichen Kontakte, die wir zu Autoren aus unseren Nachbarländern wie z.B. Weißrussland oder Tschechien pflegen, sehr gut eine Erweiterung des Spektrums unseres Literaturmagazins vorstellen. Die Aufnahme weiterer Sprachen und Literaturen würde jedoch einerseits den Rahmen sowohl unserer technischen, als auch redaktionellen Möglichkeiten sprengen. Andererseits sind wir der Meinung, mit drei Kulturräumen eine überschaubare und abgerundete Einheit erschlossen zu haben, um deren Ausgestaltung und Aufrechterhaltung wir uns bemühen möchten. Vielmehr hoffen wir durch RADAR auch andere europäische Kulturorganisationen zur Herausgabe einer ähnlichen, mehrere europäische Länder umfassenden, literarischen Zeitschrift zu inspirieren.

n.: Du hast es schon erwähnt: Die Literaturübersetzer und -übersetzerinnen spielen eine zentrale Rolle. Die RADAR-Redaktion betont sogar, dass die Literaturübersetzer vollberechtigte Autoren seien. Inwiefern sind sie nicht nur „normale“ Übersetzer, sondern auch Autoren?

R.S.: Mit dem Ausdruck „vollberechtigte Autoren“ wollten wir lediglich betonen, dass es sich bei einem Großteil unsererRedakteure um Schriftsteller handelt, die als solche anerkannt sind, eigene literarische Werke verfassen und sich neben ihrer eigentlichen Tätigkeit zusätzlich dem Übersetzen von Texten oder Gedichten widmen. Andererseits gibt es ausgebildete Übersetzer, die sich professionell ausschließlich mit der sprachlichen Übertragung beschäftigen. Bei dieser Unterscheidung soll keinesfalls hierarchisiert werden, da alle Übersetzer für uns sehr kostbar sind. Es ging im Grunde nur darum, hervorzuheben, dass literarisches Schaffen und Übersetzen eine sehr ähnliche Art von Kreativität und sprachlicher Gewandtheit erfordern.

n.: Wo seht ihr das Gemeinsame zwischen den drei verschiedenen Literaturen im Bezug auf die Welt, in der wir leben? Und worin unterscheiden sie sich?

R.S.: Gern möchte ich auch zu dieserFrage Stellung beziehen, ich denke jedoch, dass in diesem Fall eine Pauschalantwort kaum möglich ist.

Natürlich unterscheiden sich Perspektive, Anschauung und Schreibstil je nach Ursprung und kulturellem Hintergrund, wodurch unsere Texte in RADAR sich meistens kaum miteinander vergleichen lassen. Jedoch liegt allen Autoren der gemeinsame Drang nach Selbstverwirklichung im schriftstellerischen Schaffensprozess zugrunde, der sich in den einzelnen Literaturen manifestiert. Dieser Drang ist mit einer Suche verbunden; der Suche nach der eigenen Identität und der Identität des Landes aus dem man stammt. Auch mit der Frage nach dem Platz, den es innerhalb Europas einnimmt.

In den polnischen und ukrainischen Texten stößt man häufig auf einen Konflikt, der sich aus dem Wunsch nach Zugehörigkeit zum Westen und gleichzeitiger Beibehaltung von kultureller Individualität, ergibt. Deutsche Texte dagegen nehmen eher eine beobachtende Haltung den Entwicklungen im Osten gegenüber ein, oder gewähren – wie die anderen natürlich auch – einen kritischen Einblick in die Gesellschaft. Somit ergeben sich regional-einzigartige Darstellungen auf internationalem Hintergrund.

Schließlich bin ich der Meinung, dass jeder Schriftsteller seinen ganz individuellen Bezug auf die Welt, in der er lebt, entwickelt und dass man erst durch Lesen der jeweiligen Texte entdeckt, worin das Besondere in jeder einzelnen Betrachtungsweise liegt.

n.: RADAR erschien zum ersten Mal im März 2010. Soeben ist die dritte Nummer erschienen. Wie stellt ihr euch die zukünftigen Ausgaben vor? Wird es thematische Schwerpunktsetzungen geben, oder vielleicht auch andere?

R.S.: Tatsächlich erschien unsere erste RADAR-Ausgabe unter einem thematischen Motto: „homesick“. Dabei knüpften wir gewissermaßen an eine gängige Praxis bei Zeitschriften an, inhaltliche Elemente unter einen gemeinsamen Nenner zu bringen und das Magazin in sich stimmig erscheinen zu lassen, was uns mit einem so allgemeinen und breit gefächerten Begriff möglich war. Während der Arbeit an den darauffolgenden Ausgaben, beschlossen wir jedoch, von einer Überschrift abzusehen. Da die Texte, mit denen wir konfrontiert wurden, sowohl inhaltlich als auch stilistisch zu unterschiedlich waren, hielten wir eine Titelgebung für unnötig voreinnehmend und waren uns einig, die Texte für sich selbst sprechen zu lassen. Wir achten bei der Auswahl der Fragmente auf Originalität und Aspekte, die den spezifischen Charakter der einzelnen Literaturen am besten wiedergeben. Auf diese Weise kann sich eine verbindende Thematik herauskristallisieren, dies ist jedoch der Interpretation des Lesers völlig freigestellt.

n.: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das E-Mail-Interview führten Esther Hool und Michael Zgodzay.

Zur Homepage von RADAR mit zahlreichen Bildern und Texten zum Lesen und Hören: www.e-radar.pl

Zur Homepage der Villa Decius in Krakau: www.villa.org.pl

Gibt es eine osteuropäische Literatur?

September 3, 2011

Der Suhrkampverlag hat durch die Lektorin Katharina Raabe eine spannende Debatte auf den Weg gebracht: Gibt es eine osteuropäische Literatur? Autoren aus Osteuropa aber auch aus Deutschland werden sich in den nächsten Wochen dazu schriftlich äußern. Auf der eigens dazu eingerichteten Sonderseite des Verlags finden sich bisher Beiträge von Jurij Andruchovyč, György Dragomán, Oleg Jur’ev und Eugenijus Ališanka.

György Dragomán : »Nein, es gibt keine osteuropäische Literatur, es gibt nur Schriftsteller, einfach nur Schriftsteller und Geschichten. …Ich weiß auch nicht, ob es Osteuropa überhaupt gibt.«

Eugenijus Ališanka: »Jawohl, ich bin wahrscheinlich Osteuropäer: Die Unbestimmtheit dieser Region, ihre eigenartige Unselbständigkeit, ihre geopolitische und existenzielle Unwirklichkeit sind mir nahe, sie entsprechen meiner Befindlichkeit als Schriftsteller.«

Oleg Jur’ev: »Die Frage nach der Existenz einer westeuropäischen Literatur wird, soviel ich weiß, kaum je gestellt: Wahrscheinlich, weil sie beinahe absurd und auch unnütz anmutet. …
Ich bin ein russischer Autor, also, wie erwähnt, keinesfalls ein »Osteuropäer« – ich bin noch schlimmer!«

Es verspricht spannend zu werden…