Die Literaturzeitschrift RADAR: drei Sprachen, drei Literaturen – und noch viel mehr

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Deutsch, Polnisch und Ukrainisch sind die Sprachen, in denen das Literaturmagazin „Radar“ erscheint. Hier veröffentlichen Autorinnen und Autoren dieser drei Literaturen ihre Texte, und hier werden ihre Texte in die jeweiligen anderen beiden Sprachen übersetzt.

Auf dem Streifzug durch Radar gibt es viel zu entdecken. So erfährt man etwa, wie ein Gedicht der „eigenen“ Sprache in der „anderen“ Sprache klingt, oder man begegnet dem Gedicht eines Dichters der „anderen“ Literatur, das man in der „eigenen“ Sprache lesen kann, z.B. ein Fragment aus „Unsere kleine, allgegenwärtige, softe“ von Cezary K. Kęder:

6%
kein Vergleich denn es gibt nur sie
ausgeschnitten aus der Menge und aus der Sicht
hinter Sommer Straßenbahn nächste Station
Rädergeratter Kreischen Kurven Handgriffe
klebrig von Schweiß, aus ihrer grauen Hölle
in der sie kaum Luft kriegt kurz vor dem Gewitter

und ich bin hier schaue

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das ist real ein Album voll Bilder

[Übersetzung: Bernhard Hartmann]

Nasza mała, wszechobecna, miękka

6%
nie ma porównań bo jest tylko ona
wycięta z tłumu z jej planu dalszego
niż lato tramwaj kolejny przystanek
stukot kół szarpnięcia zakręty poręcze
lepkie od potu, z jej szarego piekła
w którym się dusi na chwilę przed burzą

a ja jestem tu patrzę

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to jest real album pełem fotek

Наша мала, мяка, всюдисуща

6%
немає порiвнянь є тiльки вона
вирiзана з натовпу з її дальших планiв
нiж лiто трамвай чергова зупинка
стукiт колic повороти шарпанина липкi
вiд поту поруччя, з її сiрого пекла
в якому задихається на мить перед бурею

 а я тут, дивлюся

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це real album повний фоток

[Übersetzung: Chrystyna Stel’mach]

Ermöglicht werden diese Entdeckungen durch die Übersetzerinnen und Übersetzer, und sie sind es denn auch, die hier besonders geschätzt werden, denn sie ermöglichen es, die Grenzen zwischen den Nationalliteraturen zu öffnen und zu zeigen, dass der Text in der Übersetzung nicht verliert, sondern vielmehr neue Aspekte dazu gewinnt und sich neue Perspektiven auf den Text eröffnen.

Geöffnet werden auch die Grenzen zwischen den Gattungen: Auf dem Internetportal von Radar gibt es alles, was im weit gefassten Sinn mit Literatur zu tun hat: Grafik- und Fotoserien, Kurzfilme, Ausschnitte aus Hörspielen – und natürlich Texte: Lyrik, Prosa, Drama, Rezensionen, Essays, Gespräche und Literaturkritik; in der Print-Ausgabe wird eine Auswahl dieser Texte vorgestellt.

Bisher sind zwei RADAR-Hefte erschienen: In der ersten Ausgabe werden die Gemeinsamkeiten der drei Literaturen betont; in der zweiten geht es gerade um das Gegenteil, nämlich um die Verschiedenartigkeit der zeitgenössischen deutschen, polnischen und ukrainischen Literatur.

Durch die drei Sprachen zu schlendern und zu sehen, dass das, was oft als „unmöglich“ betrachtet wird – das Übersetzen von einer Sprache in eine andere – nicht nur möglich ist, sondern die Texte dadurch vielschichtiger und vielseitiger werden, ist lustvoll – und schön!

Das nächste Heft erscheint im August und wird einen Schwerpunkt zur Deutschschweizer Literatur haben.

http://www.e-radar.pl

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