Abseits der gewohnten Pfade: Stadtführungen durch Warschaus Stadtteil Praga

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An einem im Verhältnis nicht allzu kalten Dezembernachmittag – die Temperaturen sind nur ein paar Grade unter den Gefrierpunkt gefallen – spazieren wir durch die Strassen und Hinterhöfe Pragas. Praga, das auf Warschaus östlicher Seite der Weichsel liegt und im Zweiten Weltkrieg, anders als das Warschau auf der westlichen Weichselseite, kaum zerstört wurde, ist geprägt von Mietshäusern und Industriebetrieben aus dem 19. Jahrhundert. Hatte das ehemalige Arbeiterviertel wegen seiner vielen sozialen Probleme den Ruf, eine gefährliche Gegend zu sein, so ziehen seit einigen Jahren immer mehr Künstler nach Praga. Es entstehen alternative Kneipen und Kulturzentren.

Die Journalistin Katiusza kennt diese Orte: Da gibt es eine Kneipe voller Bilder der Jungfrau Maria, das W oparach absurdu [In den Dämpfen des Absurden]; gleich gegenüber befindet sich das Po drugiej stronie lustra [Auf der anderen Seite des Spiegels], wo im Sommer die Leute aus der Umgebung sozusagen neben einem der unzähligen Marienaltäre Pragas ihr Bier trinken; im Teatr Academia im „Bermudadreieck“ an der 11 Listopada-Strasse traten die ersten Künstler auf, die es Mitte der 90er Jahre nach Praga zog; ein wenig versteckt in einem Hinterhof ist schließlich das Studio 23, ein Café, in dem bei einem Stück hausgemachtem Kuchen die neusten Comics gelesen (und gekauft) werden können – um nur ein paar wenige Orte zu nennen.

Katiusza lebt schon seit über zehn Jahren in Praga, und während wir gehen, weiß sie viele Geschichten und Anekdoten über die Strassen und Häuser, Fabriken und Märkte zu erzählen. Etwa die Geschichte von Pan Guma, Herrn Gummi: Dieser Trunkenbold von Praga stand Tag für Tag vor dem gleichen kleinen Lebensmittelgeschäft. Heute steht sein Denkmal dort, und zwar ein Denkmal der besonderen Art: Die Statue ist aus Gummi und wippt vor- und rückwärts – so wie der „echte“ Pan Guma das wegen seiner Alkoholsucht zu tun pflegte. Die Idee für diese Statue kam von Jugendlichen aus der Nachbarschaft, die an einem Workshop mit dem Künstler Paweł Althamer teilgenommen hatten, und wurde von den Anwohnern kontrovers aufgenommen: Es gab Leute, die der Ansicht waren, durch das Denkmal eines Säufers werde das schlechte Image Pragas zementiert; andere Leute mögen Pan Guma und legen ihm im Winter einen warmen Schal um.

Neben Führungen zur Kulturszene bietet Katiusza auch Führungen zum jüdischen Praga, zu Pragas Frauen und den Marienaltären in Praga an; außerdem besteht die Möglichkeit, sich abends von ihr die alternativen Clubs zeigen zu lassen. Für die Zukunft sind Spaziergänge durch Praga geplant, bei denen man die Künstler nicht nur besucht, sondern sein Souvenir in den verschiedenen Ateliers auch gleich selber drucken, malen, fotografieren, meißeln oder schneidern kann.

Katarzyna „Katiusza“ Chudyńska: Stadtführungen in englischer und polnischer Sprache

Kontakt: katiusha@poczta.onet.pl/ Tel.: (+48) 507 054 381

Katiuszas Blog auf Polnisch, mit Bildern von damals und heute: http://warsoff.blox.pl/html und Englisch: http://warsofftrips.blox.pl/html

Orte, die im Artikel erwähnt werden:

Po drugiej stronie lustra: www.po2stronielustra.com
Studio 23: www.studio23.art.pl
Teatr Akademia: www.teatr-academia.art.pl
W oparach Absurdu: www.oparyabsurdu.pl

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