Lesung mit Ėjtan Finkelštejn

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Warum der Roman „Labirint“ („Labyrinth“) heißt, erklärt sich schnell von selbst: Er handelt von verschlungenen und ausweglos scheinenden Lebenswegen jener Generation, die den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges als das Ende ihrer Kindheit erlebt hat. Die Schauplätze wechseln von Litauen über Petersburg nach Moskau. Idyllischen Sommern im Ferienlager und Poesie-Abenden folgen abenteuerliche und lebensgefährliche Fluchten, und es ist offensichtlich das Unterwegs-Sein und Weg-Gehen, das zum Merkmal des Dissidentendaseins wird – im Roman wie im Lebensweg des Autors.

So hat sich eigentlich auch die Publikumsfrage erübrigt, warum der Physiker, Menschenrechtler, Journalist und Schriftsteller keine Autobiografie verfasst: Er schreibe nur über das, was er am besten kenne. Aus der Position der Selbstidentifikation zu schreiben, kennzeichne die russisch-jüdische Literatur. Er lässt also seinen eigenen Lebensweg bewusst die Linien seiner Texte vorzeichnen. Nicht verwunderlich, hat ja dieser Weg ihn u.a. über Litauen und Israel nach Deutschland geführt und ist möglicherweise für unterschiedliche Fragen an die sowjetische Geschichte repräsentativ.

Die Meinung des Autors, das jüdische Leben existiere nicht mehr, ist sicherlich streitbar und die so genannte „russisch-jüdische Literatur“ schwierig zu bestimmen. Aber die Lesung war ein deutliches Zeichen dafür, dass sie von russischsprachigen jungen LeserInnen gelesen und geschätzt wird.

Ėjtan Finkelštejn: Labirint [Labyrinth], NLO, Moskva 2008,
239 S.

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