Praca Maszyn – Die Arbeit der Maschinen: Die Rekonstruktion eines vergessenen Tanzes

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Mielec, eine Industriestadt im Südosten Polens: unzählige, streng geometrisch angeordnete Wohnblocks aus der Zeit des Kommunismus; Kinder auf einem Karussell im Shopping Center; das alte, überdimensionierte Stadion, eine Handvoll Fans – und die Industriezone. Heute produziert ein amerikanischer Konzern Flugzeuge in Mielec; früher hatte der größte Flugzeughersteller Polens seinen Sitz hier. Die Industrieanlage war der Mittelpunkt der Stadt: Die Restaurants, die Kantinen, die Hotels, die Wohnblocks – alles gehörte zur Fabrik. Ein ehemaliger Fabrikangestellter berichtet: „Jeden Tag kreisten alle möglichen Flugzeuge am Himmel, und wir, die alten Arbeiter, lachten.“ 1968 wurde zur Feier des 30. Geburtstags des Flugzeugwerks ein Tanz kreiert: Praca maszyn, Die Arbeit der Maschinen, eine Art futuristisches Ballett, eine Metapher für die Beziehung zwischen Mensch und Maschine.

Beinahe zufällig stoßen die drei jungen Regisseure Gilles Lepore, Maciej Mądracki und Michał Mądracki auf diesen vergessenen Tanz: In einem alten Buch über Mielec entdecken sie ein Foto mit seltsam gekleideten Tänzern. Daraufhin befragen sie die Leute in Mielec, um mehr über diesen Tanz zu erfahren, treffen einen älteren Mann, der damals dabei war und versucht, die Musik auf einem alten Synthesizer zu rekonstruieren: „Es ist eine Musik wie in einem Film Chaplins. Chaplin zeigt in einem seiner Filme, wie es ist, am Fließband zu arbeiten. Er macht alles auf ganz mechanische Weise. Die rechte Hand spielt die Melodie, etwa so, die linke folgt einer Art Schema.“ Ein paar Tänzerinnen und Tänzer von damals versuchen sich an die Tanzschritte zu erinnern: „Zuerst die Arme in die Höhe … das Bein bewegte sich nach vorn … eins, zwei, eins, zwei … dann eine Pirouette … und dann im Kreis, wie ein Flugzeug.“

Was schließlich entsteht, ist die Rekonstruktion eines Tanzes und einer Musik, deren Töne und Rhythmen an die Geräusche und Bewegungen von Maschinen und Flugzeugen erinnern, aufgeführt im gigantischen alten Stadion von Mielec – sehr ästhetisch und zugleich eigenartig und unwirklich: Was als Dokumentation über Mielec und seine Industrieanlage beginnt, endet als ein Stück gespenstischer Vergangenheit in der Gegenwart – ein wenig unheimlich und auf alle Fälle sehr faszinierend!

Gilles Lepore, Maciej Mądracki und Michał Mądracki: Praca Maszyn / The Work of Machines
2010. Polen / Schweiz. Polnisch mit englischen und französischen Untertiteln

Trailer auf der Website des internationalen Dokumentarfilmfestivals Amsterdam: http://www.idfa.nl/industry/tags/project.aspx?id=0650973A-13BE-46CA-8FA9-3FC121994251

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