Mauerfälle

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von Philipp Goll

Exportweltmeister Deutschland lässt sich nicht lumpen und exportiert selbst Mauerfragmente – als Zeichen der Freiheit versteht sich. In Danzig etwa steht so ein Stückchen Freiheit, wohl platziert zwischen Solidarność-Zentrale und der ständigen Ausstellung „Droga do wolności – Weg in die Freiheit“. Und auch in Kiew vor der deutschen Botschaft. Doch nicht jeder begrüßt den Exporteifer. Schon Goran Svilanović wusste über Europas neue Grenzregime zu sagen: „Nicht alle Steine der Berliner Mauer verschwanden im Museum, einige von ihnen dienen zum Bau der neuen Schengen-Mauer“. Auch in Kiew wird das Mauerstück mit Skepsis beäugt. Für den Journalisten Vitalij Atanasov sind die Importe von Mauerfragmenten in osteuropäische Städte weniger Symbol der Freiheit. Bezüglich der erniedrigenden Prozeduren, die UkrainerInnen an westlichen Botschaften über sich ergehen lassen müssen, um an ein Visum zu gelangen, schreibt er: „Das Fragment der Berliner Mauer verweist weniger auf die Befreiungserfahrung als auf neue Mauern, die zwischen den Ländern bestehen.“ So sieht’s aus. Alles Gute zum Zwanzigsten, liebes Einheitsdeutschland!

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