Homokunst im Nationalmuseum

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Am 11. Juni wurde in Warschau die Ausstellung „Ars Homo Erotica“ im Nationalmuseum eröffnet. (Die deutschen Medien haben schon mehr oder minder ausführlich davon berichtet; die taz ist an der Ausstellung selbst beteiligt). Der Ort für eine Ausstellung, die sich homoerotischen Motiven in der Kunst widmet, scheint doch zumindest ungewöhnlich.  Aber hier geht es um die öffentliche Debatte über die Rechte von Lesben und Schwulen, die in Polen gewiss anders geführt wird, als in den Ländern Westeuropas. Immer noch ist dort ein institutioneller Rahmen notwendig, der den Beschimpfungen des konservativ-katholischen und rechten Lagers ’standhält‘. Dass in Polen Debatten über Minderheiten- und individuelle Rechte immer noch im nationalen Kontext geführt werden, ist der andere Aspekt. Der neue Direktor des Nationalmuseums, Piotr Piotrowski, will die ehrwürdige Institution ohnehin umkrempeln und scheint mit dieser Ausstellung ein starkes Signal setzen zu wollen. Zumal jetzt, in einer emotional und politisch unstabilen Zeit in Polen.

Der Titel „Ars Homo Erotica“, der an eine Ausstellung von 1994 – Ars Erotica – anknüpft, in der zensierte erotische Kunst aus der Volksrepublik gezeigt wurde, ist eher brav zu nennen, die Konzeption und Auswahl der Werke sicherlich auch. Wenn schon Nationalmuseum – dann steht keine Provokation auf dem Plan, obwohl die katholische Kirche von manchen Werken sehr wohl provoziert sein wird. Auf der Folie bekannter und weniger bekannter Werke der bildenden Kunst der Antike und des Klassizismus sind neue (nicht allzu aufregende) Arbeiten ausgestellt, die gleichgeschlechtliche Anziehung thematisieren und wohl die Rezeption der klassischen Kunstwerke ändern und in anderer Richtung die heutige Homoästhetik legitimieren sollen. Der kulturpolitisch-didaktische Akzent ist wichtig, macht die Ausstellung aber auch nicht gerade spannend. Die Bemühungen Piotrowskis, das Nationalmuseum in Warschau gründlich zu reformieren, können dagegen mit Spannung weiterverfolgt werden.

Zur Ausstellung

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