Vom Jurassic Park der aktuellen ukrainischen Literatur

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Ein Höhepunkt in der Berliner Lesungsserie von Juri Andruchowytsch hätte sein Auftritt bei den Mosse-Lectures im Senatssaal der Humboldt-Uni werden können. Der Saal war auch gut gefüllt (anfangs) mit studentischem und Professorenpublikum sowie Sympathien für den westukrainischen Erfolgsautor und die aus Zürich angereiste Moderatorin – Prof. Sylvia Sasse. Doch weder die gelesenen Texte aus dem neuen Buchprojekt, das 111 besuchte Städte in alphabetischer Reihenfolge abhandelt, noch die typischen Anekdotenantworten haben etwas signifikant Überraschendes oder Neues zu Tage gefördert. Sicherlich waren es auch keine Novellen, sondern ein Hasstext auf Kiev, welches statt eine Hauptstadt der ukrainischen Kultur zu sein, in Sch… versinke, und ein Liebesbrief an Berlin mit peinlich wirkenden ex-sowjetischen Straßenmusikern. Vielleicht sollte das ein indirektes Plädoyer sein, lieber die ältere, erst jetzt ins Deutsche übersetze „Perversion“ von Andruchowytsch zu lesen: einen Venedigroman, der sprachlich auch in der Übersetzung statt Exkremente einige Experimente bietet. Wir haben’s zu Beginn vom Autor gehört und zum Schluss gefühlt: Von Geopoetik habe er die Nase voll.

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