Archiv für die Kategorie ‘Lesungen’

Aufruf zum Dableiben. Serhij Zhadan las in Zürich aus seinem neusten ins Deutsche übersetzten Roman „Die Erfindung des Jazz im Donbass“.

März 4, 2013

Die Lesung mit dem ukrainischen Schriftsteller Serhij Zhadan bildete den Schluss- und gleichzeitigen Höhepunkt des diesjährigen Kritikerworkshops im Literaturhaus Zürich. Sie begann mit einer empathischen Hommage an Zhadan durch den Moderator Jurko Prochasko. Der Übersetzer, Autor und Literaturwissenschaftler Prochasko nannte sich neben Zhadan ‚durch Ehrfurcht behindert’ und bezeichnete sich von da an – nicht ohne ein Augenzwinkern – nur noch als ‚Suggerator’. Die Diskrepanz jedoch, die zwischen der einleitenden Lobeshymne und dem daneben sitzenden fast unscheinbaren Zhadan entstand, erzeugte eine seltsame Komik. Im Verlauf des Gesprächs wurde klar: Zhadan scheint keine Ambitionen zu haben, sich zum Mythos zu stilisieren oder ein romantisches Bild des Künstler-Genies heraufzubeschwören.
LiteraturhausZH-Lesung ZhadanAls hätte er seine Texte soeben aus dem Internet runtergeladen, las Zhadan aus einem Kindle E-Book-Reader. So wurde seine Stimme beim Lesen nie durch das Rascheln vom Seitenumblättern unterbrochen, was seine Sprache noch dichter zu machen schien.
In seinem neusten Roman habe er eine Terra Incognita der Ukraine in die Literatur holen wollen, sagte Zhadan im Gespräch mit Prochasko. Doch im Gegensatz zu den deutschen Kritiken seines Buches finde er diese Welt durchaus nicht so brutal, aussichtslos und unzivilisiert. Vielmehr sei sein Roman ein Aufruf zum Dableiben, da alle jungen Leute aus der Donbass-Region weggehen möchten.
Als Zhadan auf die Bitte aus dem Publikum hin aufstand und eines seiner früheren Gedichte wie Beschwörungsformeln vortrug, hörte das Publikum den Jazz aus dem Donbass und war bereit, in der Terra Incognita der Ukraine zu bleiben und sie neu zu beleben.

Die Lesung kann über den folgenden Link des Litradios nachgehört werden: http://www.litradio.net/artikel/artikel/serhij-zhadan.html
oder hier direkt heruntergeladen werden: Serhij Zhadan bei Litradio

novinki-Party zum 7-jährigen Jubiläum!

Januar 25, 2013

Das Online-Magazin novinki.de wird 7 und das möchten wir mit Ihnen feiern!

+ + + novinki-Party + + +

Lesung: Jaroslav Rudiš (Prag/Berlin)
Musik: Henrik Zeabird (Hamburg/Amsterdam)
Kunst: Nastasia Louveau (Berlin)

Am 6. Februar 2013 ab 20 Uhr,
Bar Babette, Karl-Marx-Allee 36, 10178 Berlin
U5 Schillingstraße, Glaskubus gegenüber dem Kino International

Alle Interessent_innen sind herzlich eingeladen!

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Jaroslav Rudiš (*1972), Autor der Romane Der Himmel unter Berlin (2002), Grand Hotel (2006) und Die Stille in Prag (2007). Zusammen mit dem Zeichner Jaromír 99 hat er die erfolgreiche Comictrilogie Alois Nebel verfasst, die 2011 verfilmt wurde. Momentan lebt und arbeitet er in Berlin, wo er die Siegfried-Unseld-Gastprofessur am Institut für Slawistik der HU Berlin inne hat. Lesung um 20 Uhr.

Geboren in Amsterdam an der nordischen See, wandert die Band Henrik Zeabird auf leisen Klängen durch die Straßen. Akkordeon, Gitarre, Mandoline, Pauke, Stimme, Stimme, Stimme. Konzert ab 21 Uhr.

Die Bilder von Nastasia Louveau sind novinki-Leser_innen bereits vertraut, da sie seit 2010 regelmäßig Illustrationen für die Zeitschrift und ihren Blog gestaltet. Es werden sowohl novinki-Zeichnungen als auch weitere Portraits ausgestellt.

novinki-Lesung am 30. Oktober 2012

Oktober 23, 2012

Der Dichter Dmitrij Strocev (Minsk) liest aus seinem neuen Gedichtband vor und diskutiert über die Lage der russischsprachigen Literatur im postsowjetischen Raum im Allgemeinen und in Weißrussland im Besonderen. Nach der Lesung auf Russisch findet eine von Yaraslava Ananka und Heinrich Kirschbaum moderierte Diskussion auf Russisch und Deutsch statt.

Die Lesung findet

am Dienstag, 30. Oktober 2012
um 20.00 Uhr
am Institut für Slawistik der HU Berlin
Dorotheenstr. 65, 10117 Berlin-Mitte
in Raum 5.57

statt.

Dmitrij Strocev, der in den späten 1980er Jahren als Verfechter neofuturistisch-transmentaler Dichtung erfolgreich debütierte, sucht in seinem neuesten Buch mit dem sprechenden Titel Gazeta (Zeitung) seinen ungebrochenen Willen zum poetischen Experiment mit der sozialen Aussage zu verbinden: Im Zentrum seiner dichterischen Reflexion stehen nun diverse Formen der mental-ideologischen und physischen Gewalt seitens des Staates, der orthodoxen Kirche und der immer xenophober werdenden Gesellschaften in Belarus und Russland.

Dmitrij Strocev (geb. 1963), einer der führenden Dichter der russischsprachigen Gegenwartslyrik, Vertreter der so genannten „Minsker Schule“, Meister der Deklamationskunst und Kurator des Moskauer Festivals der Stimmenverse (Festival’ golosovogo sticha) ist Autor von fünf in mehrere Sprachen übersetzten Gedichtbänden und Laureat der renommierten Russkaja Premija (2008) für die beste russischsprachige Lyrik außerhalb Russlands, Mitglied des weißrussischen P.E.N.

Leipziger Buchmesse: “tranzyt. Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus”

März 9, 2012

Leipziger Buchmesse vom 15.-18. März 2012

Schwerpunkt: Mittel-, Ost- und Südosteuropa.

Programmschwerpunkt “tranzyt. Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus

Hier gibt es einen Flyer zum Programmschwerpunkt mit detaillierten Informationen zu den Autoren, weiteren Beteiligten, Veranstaltungsorten und -zeiten

 

“Ausgehen” von Barbi Marković – Einladung zur Lesung

Januar 3, 2012

Barbi Marković liest am Dienstag, 7. Februar 2012 auf Deutsch und Serbisch aus ihrem ‚Plagiat‘-Roman Izlaženje / Ausgehen (dt. 2009, Suhrkamp). Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Die deutschsprachige Popliteratur der Gegenwart kommt aus Belgrad. Dort machte Barbara Markovic, Germanistin, Clubberin und Thomas-Bernhard-Fan, an dessen klassischer Erzählung Gehen unlängst eine überraschende Entdeckung: Überführte sie einzelne Sätze nicht nur aus dem Deutschen ins Serbische, sondern zugleich aus der Entsetzlichkeit von Bernhards Wien in die Entsetzlichkeit des Belgrader Nachkriegs-Nachtlebens, fügten sie sich unversehens – so spielerisch wie gnadenlos – zu einem völlig neuen und doch völlig Bernhardschen Remix: Aus Gehen wird Ausgehen, aus der Katastrophe im rustenschacherschen Hosenladen ein Social Suicide auf einem Plastikman-Konzert und aus der Irrenanstalt Steinhof der finale Rückzug vor die Glotze – Satz für Satz mit der kaskadenhaften Donnerwucht des Originals. Obwohl formal strengste Konzept- und Appropriationskunst, liest sich Ausgehen gleichzeitig so realistisch, dass man Wien, Berlin oder New York genauso darin wiederfinden kann wie die Belgrader Szene.

Barbi Marković, geboren 1980 in Belgrad, studierte Germanistik in
Belgrad und Wien. Sie war als Lektorin für den Verlag Rende tätig.
Gegenwärtig ist sie Stadtschreiberin in Graz und schreibt einen
literarischen Stadtplan.

Am Dienstag, 7. Februar 2012 um 18 Uhr c.t.
an der Humboldt-Universität zu Berlin
Dorotheenstraße 65, 10117 Berlin
im Hörsaal 5.57

“An den unbekannten Helden” – eine Lesung von SRETEN

Oktober 31, 2011

Das Institut für Slawistik der HU und der Dittrich-Verlag laden ein:

Sreten Ugričić, SRETEN genannt, liest am 10. November 2011 auf Deutsch und Serbisch aus seinem Roman An den unbekannten Helden / Neznanom junaku.

In dieser Anti-Utopie entmythologisiert SRETEN das Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajevo, das hundert Jahre lang in Serbien bejubelt wurde. Der Autor entlarvt eine repressive, vom Virus des Nationalismus zersetzte Gesellschaft. Die Hauptfigur des Romans ist der ›unbekannte Held‹, der sich nicht, wie im Mythos, für sein Vaterland aufopfert, sondern seinen eigenen Mythos zu entlarven versucht. SRETENs Roman ist eine provokative Allegorie auf Serbien, die aber auch auf andere Staaten übertragen werden kann.

Das anschließende Gespräch mit SRETEN wird moderiert von Mirko Schwanitz und Miranda Jakiša.

Sreten Ugričić nennt sich SRETEN und lebt in Belgrad. Der 1961 in Jugoslawien geborene Romancier, Essayist, Konzeptkünstler, Astronom und Philosoph ist Autor einer Sammlung von Kurzgeschichten und drei Romanen. Ugričić ist Mitglied des serbischen P.E.N. und Leiter der Serbischen Nationalbibliothek.

Am Donnerstag, 10. November 2011
um 18 c.t. Uhr
an der Humboldt-Universität zu Berlin
Dorotheenstraße 24, 10117 Berlin
im Hörsaal 1.101 

Diese Veranstaltung wird unterstützt durch das Institut für Slawistik der HU Berlin und den Dittrich-Verlags.

LESUNG mit Michail Šiškin

Oktober 22, 2011

Das Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin

lädt ein zur

LESUNG mit Michail Šiškin / Михаил Шишкин

Der bekannte, in der Schweiz lebende russische Gegenwartsautor, der 2011  für  seinen Roman “Venushaar”/“Венерин волос” den Internationalen Literaturpreis erhielt, liest aus aktuellen Werken. Die Lesung moderieren Miriam Finkelstein und Nina Weller.

Montag,  den 24. Oktober 2011, um 18.00 Uhr

- HU Berlin, Hautgebäude (Unter den Linden 6), Raum 2103

Einladung nach Potsdam

Juni 24, 2011

Poesiealbum. Mit Abziehbildchen aus Sarajevo.

Juni 2, 2011

Die Sarajevski Dani Poezije (11.-18.5.2011) in Bruchstücken. Völlig sinnfreie Aufzählung einzelner Eindrücke, freches Einflechten von ungenauen Zitaten ohne Fußnoten, und das nur zwei Wochen zu spät.

Mittwoch. Zemaljski Muzej. Rein, durch, raus, rein in den botanischen Garten, Sonne mit gelegentlichen Schauern, Klappstühle.

Feierlich wird eröffnet, was es zu eröffnen gilt, Worte werden geschwungen, beschwingt höre ich zu. Ein Mikro mit Echo, das ist wie bei einer serbischen Hochzeit, zischt S rüber. Hört, hört: Die Barbarei ist heutzutage die grundlegende Farbe unserer Realität. Gut, dass wir als Mittel dagegen die Poesie haben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in den nächsten Tagen zumindest die Illusionen genießen… Jemand liest sein Gedicht so vor, dass ich wegrennen möchte, eine andere liest mit großartiger Stimme, die raucht bestimmt täglich mindestens eine Schachtel, sagt M. Das alles in verschiedene Sprachen, nicht verkehrt. Mit erfüllter Seele gehen wir anschließend Kaffee trinken, auch das soll gut sein gegen die Barbarei, obwohl die grundlegende Farbe gemahlenen Kaffees braun ist.

Montag. Filozofski Fakultet. Treppe hoch, dann rechts, durch die Tür, rechts, durch die Tür, zu spät, in die Ecke, dezentes Aufklappen des Klappstuhls.

Poezija – tradicija, tranzicija. Uh. Es gibt viele Theorien, drum wollen wir festhalten: Der Kern der Poesie befindet sich in der Poesie selbst. Oha. Ein Kind spielt mit einer bunten Plastikknarre, die Düddelü macht. Einzig totalitäre Systeme geben der Poesie so viel Bedeutung, wie sie verdient. Auf jeden Fall eine inspirierendere These als jene über den Kern. Ihr Verfechter braucht dringend eine Zigarette, und da er nebenbei auch Moderator ist, wird die Veranstaltung beendet. Eine gute Gelegenheit für einen großen Dichter, sich der aufgeschlossenen Jugend, die u.a. ich zu repräsentieren das Vergnügen habe, im privaten Rahmen zu nähern, um sie vor falschen Freund_innen zu warnen: Die zeitgenössische Poesie ist nichts wert, aber auch gar nichts! Was iiich hingegen schon an großen Werken vollbracht habe… Das nenne ich kernig.

Dienstag. Elektrotehnička škola. Klopfen, warten, klopfen, rein, Treppe hoch, rein, die Schüler_innen müssen für die anderen Besucher_innen die Sitzplätze räumen, hinsetzen, ätsch, liebe Schüler_innen, ich bin fünf Jahre älter als ihr und gehöre schon zum ernst zu nehmenden Publikum.

Hier zu sein lohnt sich hauptsächlich wegen jemandem, der umwerfend vorliest, das macht Gänsehaut, sagt M. Skandal des Tages: Der von der Moderatorin vergessenen Dichterin gelingt es, sich über das Vergessenwerden in so unsympathischer Weise aufzuregen, dass ich keinerlei Mitleid mit ihr haben kann. Daher innerlicher Applaus für den Umwerfer ob eines schönen Beispiels direkter Intervention: Willste jetzt lesen oder nicht?, faucht er sie an. Pikiert klappt Madame also doch noch ihr Buch auf, ein Gedicht für uns Frauen, das hatte mir gerade noch gefehlt. Dann durch den Regen nach Hause, im Kopf ein Gedicht, nicht das für uns Frauen, nein. Samo Sana teče prema vama.

Mittwoch. Dom Mladih. Rein, ein Raum, den ich bei einer Technoparty kennen gelernt habe, es fällt mir immer noch schwer, mich von dieser Assoziation zu lösen, früh da, freie Platzwahl, Leinwand.

War an den anderen Tagen auch so eine gerontologische Atmosphäre, fragt B. Eine Poetin schläft auf der Bühne ein; als sie dran ist, sagt sie, hier zu sein, sei eine Ehre. Ein Poet gibt sich für einen anderen aus, weil sie die zweisprachige Ansage mit Kurzbiographie scheinbar beide nicht mitbekommen haben. Dann eine Schlussrede, in der über die kommunistische Eiszeit schwadroniert wird, eieiei; es sei Zeit, sich dem modernen Europa anzunähern - fuj. Falls ich mal so werden sollte wie einer von denen, sagt B, der selber schreibt und daher erst recht Gefahr läuft, so zu werden wie einer von denen, sei so frei und greif’ zur Knarre… Dann ist aus die Maus und wir gehen raus. Das waren sie also, die Sarajevski Dani Poezije, in ihrem 50. Jubiläumsjahr. Zu diesem Festival wurde wohl auch schon mal Radovan Karadžić eingeladen, was angenehmerweise auch jetzt nicht vertuscht wird… Später beim Bierchen reden wir über ein unangenehmes Thema, lasst uns über was anderes reden, schlage ich daher konstruktiv vor – ja, zum Beispiel über einen Dichter, das wäre doch schön, meint I, und das ohne Ironie, vielmehr leuchtenden Auges!

Die Tage danach. Überall und nirgends. Weiterlesen in der Virtualität.

Website des Festivals: www.sadapoezije.ba (Lust auf Ratespiel? Ordne die in diesem Beitrag erwähnten Personen den Namen im Programm zu!).  Schleichwerbung mit dem Zaunpfahl: http://gregorfehmi.blog.hr/ (Texte von B, der nicht so werden will wie einer von denen…).

Jetze. Hier. Poesie. Denn das letzte Wort gehört den Worten. Ungefragt beigetragen von Erich Fried.

Darf ein Gedicht / in einer Welt / die an ihrer Zerrissenheit / vielleicht untergeht / immer noch einfach sein? // Darf ein Gedicht / in einer Welt / die vielleicht untergeht / an ihrer Zerrissenheit / anders als einfach sein? // Darf eine Welt / die vielleicht an ihrer / Zerrissenheit untergeht / einem Gedicht / Vorschriften machen?

novinki-Lesung am 3. Mai 2011 // Dmitry Golynko

April 28, 2011

Am 3. Mai 2011 liest der Petersburger Dichter Dmitry Golynko am Institut für Slawistik der HU Berlin. Es moderiert und dolmetscht Aleksandr Filyuta.

Dmitry Golynko ist Kunsthistoriker, Literaturkritiker und Lyriker. Er ist derzeit Gast im Berliner Künstlerprogramm des DAAD.

Wo? Institut für Slawistik, Dorotheenstr. 65, 10117 Berlin-Mitte (S+U Friedrichstr.), Raum 5.57, 5. OG

Wann? Dienstag, 3.05.2011 um 18 Uhr


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