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Autor-Archiv
Osteuropäische Kulturstudien an der Universität Potsdam
Februar 14, 2013Zum Sommersemester 2013 startet ein neuer forschungsorientierter und interdisziplinärer Masterstudiengang Osteuropäische Kulturstudien, der in Kooperation zwischen dem Institut für Slavistik und dem Institut für Jüdische Studien der Universität Potsdam sowie dem Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin angeboten wird. Bewerbung ist zum Sommer- und Wintersemester möglich.
Weitere Informationen zu den Voraussetzungen und Studieninhalten finden Sie im Internet unter:
studieren.de/studienprofil.0.osteuropaeische-kulturstudien-ma-universitaet-potsdam.37037.452.html
Kritikerworkshop im Literaturhaus Zürich
Januar 28, 2013
Ein Veranstaltungshinweis: Am 3. und 4. Februar 2013 findet im Salon des Literaturhauses Zürich ein Kritikerworkshop statt. Es moderiert Ilma Rakusa. Die Buchvorstellungen und Diskussionen richten sich an Literaturkritiker und -vermittler osteuropäischer Literatur. Vier Fachleute aus Mittel- und Osteuropa werden gemeinsam mit KollegInnen aus der Schweiz Neuerscheinungen aus ihren Ländern besprechen.
Es handelt sich um zwei Romane, eine Fibel für Erwachsene und zwei Lyrikbände aus Russland, Kroatien, Ungarn und Polen: Andrei Bitows Der Symmetrielehrer, Zoran Ferićs Das Alter kam am 23. Mai gegen 11 Uhr, Zsófia Báns Abendschule, Adam Zagajewskis Unsichtbare Hand und Eugeniusz Tkaczyszyn-Dyckis Geschichte polnischer Familien. Ausserdem werden auch Deutschschweizer Titel besprochen.
Am 4.2. findet um 17 Uhr eine Diskussion von Zsófia Báns Buch statt (Eintritt frei). Am selben Tag um 20 Uhr liest Serhij Zhadan aus seinem neuen Roman Die Erfindung des Jazz im Donbass (Suhrkamp 2012) und unterhält sich danach mit Jurko Prochasko (Eintritt CHF 18, ermässigt CHF 12).
Oppositionelle Winterimpressionen
Dezember 10, 2012Der Film Zima uchodi! dokumentiert die Proteste gegen Vladimir Putin anlässlich der Präsidentschaftswahlen in Russland im Februar 2012. Das kollaborative Werk von zehn RegieabsolventInnen zeigt vor allem eins: Eindrücke, Bilder, Sequenzen.
Die RegisseurInnen Elena Choreva, Denis Klebleev, Askol‘d Kurov, Dmitrij Kubasov, Nadežda Leont‘eva, Anna Moiseenko, Madina Mustafina, Sosja Rodkevič, Anton Seregin und Aleksej Žirjakov sind allesamt AbgängerInnen der Marina Razbežkina-Filmschule (Škola dokumental‘nogo kino i dokumental‘nogo teatra Mariny Razbežkinoj i Michaila Ugarova). Die Leiterin der Schule, Marina Razbežkina, erhielt eine Anfrage der Zeitung Novaja oppozicija, die Proteste mit ihren Studenten zu begleiten. Razbežkina entschied sich jedoch aufgrund der Spontaneität des Projekts, dieses nicht mit Studierenden durchzuführen, sondern Ehemalige zu mobilisieren. Über 1000 Stunden Filmmaterial entstanden auf diese Weise, und der daraus zusammengeschnittene Film ermöglicht einen einzigartigen Einblick in die Proteste auf den Straßen Moskaus und St. Peterburgs und öffnet die Türen von Büros, Wohnungen und Versammlungen.
Wer mit der Hoffnung an diesen Film gelangt, eine Übersicht über die Geschehnisse im letzten Winter in Russland zu erhalten, wird jedoch enttäuscht. Einzig mit eingeblendeten Namen, Daten und Orten greifen die Filmemacher erklärend in das Filmmaterial ein, und wer sich nicht bereits im Vorfeld mit diesen Fakten auseinandergesetzt hat, wird daraus wenig Hilfreiches ableiten können. Der Film liefert vielmehr ein sequenzenhaftes Eintauchen in emotionsgeladene Situationen, in die Unruhe und Anspannung vor einer geplanten Protestaktion, in unendliche Diskussionen, die zu keinem Ziel führen. Genau dies wird an etlichen Beispielen illustriert: Indem sich etwa zwei Menschen im Gespräch in jedem Punkt widersprechen, obwohl sie beide denselben Präsidentschaftskandidaten unterstützen. In einer anderen Szene wird die Ansicht, dass alle Oppositionsführer von den „Feinden“ gekauft sind, stur wiederholt und ebenso stur mit der Frage nach Beweisen konfrontiert. Die Möglichkeit eines konstruktiven Dialogs scheint ausgeschlossen. Gezeigt wird aber auch die Machtlosigkeit der Wahlbeobachter angesichts eines mitsamt der Wahldokumentation verschwundenen Beamten oder die fast schon zwanghafte Eskalation von Gewalt zwischen Protestierenden und der Staatsmacht beziehungsweise deren Anhängern. Man kann und will sich nicht verstehen, und jegliche verbale Auseinandersetzungen führen ins Nichts.
Den Filmemachern ist es gelungen, einige Szenen aufzunehmen, die an Zynismus kaum mehr zu überbieten sind. So wird in einer Sequenz ein Mann gezeigt, der auf der Straße einem Fernsehteam seine Meinung darlegt. Er kritisiert die oppositionellen Proteste in ihrer Vorgehensweise und plädiert für den friedlichen Dialog mit regierungstreuen Kreisen. Kaum hat er seine Aussage beendet, verschwindet er aus dem Bild – die Polizei hat ihn von der Kamera weggerissen und verhaftet. Treffender könnte das herrschende Ungleichgewicht kaum mehr illustriert werden.
Auch der Film selbst tritt nur spärlich in den Dialog mit der ‚anderen‘ Seite. Geschuldet sei dies, so Regisseur Anton Seregin, vor allem der mangelnden Bereitschaft von Putins AnhängerInnen, sich den Filmemachern gegenüber zu äußern. Der Versuch eines ausgewogen Bericht erstattenden Dokumentarfilms scheint somit am Misstrauen gegenüber einem solchen Projekt zu scheitern – und doch merkt man dem Material auch an, wo die Sympathien der FilmemacherInnen liegen.
Eine interessante Einsicht liefert nichtsdestotrotz eine der wenigen PutinanhängerInnen, die im Film zu Wort kommen. Die junge Frau verdeutlicht, wovor sich viele Russen fürchten: Auch wenn Putin nicht unbedingt als der Heilsbringer angesehen wird, lässt sich mit ihm doch die Zukunft mehr oder weniger kalkulieren. Seine Politik ist bekannt, und wer sich bisher über Wasser halten konnte, hofft mit seiner Wiederwahl den status quo erhalten zu können. Ein Machtwechsel schreckt durch die drohende Unberechenbarkeit ab, denn wer garantiert, dass sich die Situation nicht noch verschlimmern würde? Das Wenige, das den Leuten bleibt, wollen sie nicht auch noch verlieren.
Trotz seiner ernsten Thematik und den bedrückenden Bildern wohnt dem Film eine gewisse Leichtigkeit inne. Gerade die typisch liebenswerte Komik von Alltagssituationen zeigt auch den Menschen hinter dem Politaktivisten und führt russische Spezifika vor Augen. Andere Szenen zeugen von einem Gespür für die ästhetische Komposition und überraschen durch bestechende Schönheit.
Schließlich legt der Film auch Zeugnis über die mitunter grotesken Wahlkampfstrategien ab. Da ist zum Beispiel eine durch leichtbekleidete Popmusikerinnen optisch und akustisch bereicherte Wahlkampfveranstaltung. Oder der Wahlslogan „Wer schon genug Geld hat, wird die Leute nicht berauben“. Andere Szenen wiederum erscheinen allzu bekannt, wenn sich etwa ein Präsidentschaftskandidat im Kuhstall fotografieren lässt, um seine Bodenständigkeit zu demonstrieren. Und genau in diese Richtung ist der Film auch ausgelegt: Inszeniert werden Personen und Aktionen, doch von Inhalt spricht kaum einer. Es sei schließlich einerlei, wer Putin ersetzt, Hauptsache es geschieht – danach kann man immer noch den neu gewählten Präsidenten bekämpfen. Eine Inszenierung ist auch der Urnengang selbst: keiner der Opposition zweifelt an Wahlfälschungen, und doch sind sie dem offiziellen Skript ausgeliefert, das keine Variationen zulässt.
von Nina Seiler
Zima uchodi!, Elena Choreva, Denis Klebleev, Askol‘d Kurov, Dmitrij Kubasov, Nadežda Leont‘eva, Anna Moiseenko, Madina Mustafina, Sosja Rodkevič, Anton Seregin und Aleksej Žirjakov, RF 2012.
Leipziger Buchmesse: “tranzyt. Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus”
März 9, 2012Leipziger Buchmesse vom 15.-18. März 2012
Schwerpunkt: Mittel-, Ost- und Südosteuropa.
Programmschwerpunkt “tranzyt. Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus“
Hier gibt es einen Flyer zum Programmschwerpunkt mit detaillierten Informationen zu den Autoren, weiteren Beteiligten, Veranstaltungsorten und -zeiten
LESUNG mit Michail Šiškin
Oktober 22, 2011Das Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin
lädt ein zur
LESUNG mit Michail Šiškin / Михаил Шишкин
Der bekannte, in der Schweiz lebende russische Gegenwartsautor, der 2011 für seinen Roman “Venushaar”/“Венерин волос” den Internationalen Literaturpreis erhielt, liest aus aktuellen Werken. Die Lesung moderieren Miriam Finkelstein und Nina Weller.
- Montag, den 24. Oktober 2011, um 18.00 Uhr
- HU Berlin, Hautgebäude (Unter den Linden 6), Raum 2103
Einladung nach Potsdam
Juni 24, 2011Antrittsvorlesung von Tatjana Tolstaja
Mai 2, 2011Tatjana Tolstaja ist neue “Siegfried-Unseld-Gastprofessorin” (im Sommersemester 2011 am Institut für Slawistik, HU-Berlin)
Nach Dževad Karahasan und Laszlo Marton wird die in Kooperation der Humboldt-Universität mit dem Suhrkamp Verlag und dem DAAD am Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin eingerichtete Siegfried-Unseld-Professur im Sommersemester 2011 mit der bekannten russischen Autorin und Medienpersönlichkeit Tatjana Tolstaja besetzt. Tatjana Tolstaja, die nach mehrjährigen Lehraufenthalten in den USA viel praktische Lehrerfahrung mitbringt, wird zwei Seminare zu den Themen „Meister-Werke“ und „Autobiographische Schreibweisen“ für die Studiengänge “Slawische Literaturen”, “Kulturen Mittel- und Osteuropas” und “Europäische Literaturen” anbieten. Die zweite, praxisorientierte Veranstaltung zum Kompetenzbereich des “Creative Writing” ist auch für das Praxismodul der BA-Studiengänge geöffnet. Die Veranstaltungen finden in englischer und auf Wunsch auch in russischer Sprache statt.
Am 10. Mai um 18 Uhr wird Tatjana Tolstaja ihre Antrittsvorlesung im Vortragssaal des Collegium Hungaricum Berlin halten. Sie wird zum Thema: „Essen in der russischen Literatur“ sprechen.
Filmreihe “Störfall Vampir” am Institut für Slawistik
Mai 2, 2011Begleitveranstaltung zum gleichnamigen Seminar von Miranda Jakiša und Miriam Finkelstein
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei!
Ort: Institut für Slawistik DOR 65, Raum 5.42, jeweils 18 Uhr
Mauerfälle
Oktober 2, 2010von Philipp Goll
Exportweltmeister Deutschland lässt sich nicht lumpen und exportiert selbst Mauerfragmente – als Zeichen der Freiheit versteht sich. In Danzig etwa steht so ein Stückchen Freiheit, wohl platziert zwischen Solidarność-Zentrale und der ständigen Ausstellung “Droga do wolności – Weg in die Freiheit”. Und auch in Kiew vor der deutschen Botschaft. Doch nicht jeder begrüßt den Exporteifer. Schon Goran Svilanović wusste über Europas neue Grenzregime zu sagen: “Nicht alle Steine der Berliner Mauer verschwanden im Museum, einige von ihnen dienen zum Bau der neuen Schengen-Mauer”. Auch in Kiew wird das Mauerstück mit Skepsis beäugt. Für den Journalisten Vitalij Atanasov sind die Importe von Mauerfragmenten in osteuropäische Städte weniger Symbol der Freiheit. Bezüglich der erniedrigenden Prozeduren, die UkrainerInnen an westlichen Botschaften über sich ergehen lassen müssen, um an ein Visum zu gelangen, schreibt er: “Das Fragment der Berliner Mauer verweist weniger auf die Befreiungserfahrung als auf neue Mauern, die zwischen den Ländern bestehen.” So sieht’s aus. Alles Gute zum Zwanzigsten, liebes Einheitsdeutschland!




